Jakunin spricht Klartext: Gefahr von Atomkrieg besteht auch heute
12. Oktober 2012 • 19:13 Uhr

Zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Lage in Syrien durch ausgesprochene Provokationen der Türkei und der US-Regierung unter Präsident Obama dramatisch verschärft, erschien heute, am 12. Oktober ein wichtiges Interview auf Spiegelonline mit Vladimir Jakunin, Chef der Russischen Eisenbahnen und Vertrauter von Präsident Putin.

Er machte eindringlich deutlich, wie nahe die Welt sich am Rande eines großen Krieges befindet. Jakunin, der letzte Woche gerade den "Dialog der Zivilisationen" in Rhodos eröffnet hatte, bei der auch Helga Zepp-LaRouche eine prominente Sprecherin war, warnte vor einer gefährlichen Entwicklung der internationalen Beziehungen. (Zepp-LaRouches Rede finden Sie hier: http://www.bueso.de/node/6071)

Er sagte: "Die Weltordnung, wie wir sie kannten, zerbricht. Zu Zeiten des Kalten Krieges balancierten wir einige Male am Rande eines Atomkriegs. Das Gleichgewicht des Schreckens sorgte für eine Art Stabilität, ein großer Krieg konnte vermieden werden. Die Welt heute ist aber nicht weniger gefährlich, wie der Konflikt an der syrisch-türkischen Grenze zeigt." Jakunin betonte, ein Krieg müsse "unter allen Umständen vermeiden werden". Russland lehne ausländische militärische Intervention strikt ab. Er erinnerte an den Irakkrieg 2003, der auf Lügen über angebliche Massenvernichtungswaffen aufgebaut war. Damals hätten sich Frankreich und Deutschland, zusammen mit Russland gegen eine militärische Intervention gestellt.

Zur Lage in Syrien sagte Jakunin, Russland kenne sich im Nahen Osten "gut aus". Der syrische Präsident habe immer noch die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung. Aber der Westen wolle Regimechange und unterstütze die anti-Assad-Rebellen von außen mit Waffen vor. Das Mittel von Regimewechsel durch Gewalt sei, so Jakunin, offenbar seit dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien zum "legitimen Mittel" der Politik geworden. Alle diejenigen, die nicht mit den Auswirkungen der Globalisierung einverstanden seien, sollten "auf Linie gebracht werden". "Diese Art von Globalisierung hat aber keine Zukunft."

Jakunin wies auch darauf hin, daß der so verteufelte libysche Präsident Gaddafi lange als hervorragender westlicher Partner behandelt wurde. Der Westen messe "mit zweierlei Maß". "Oder ist Saudi-Arabien etwa eine tolle Demokratie im westlichen Sinn?" Unter Bezug auf die Erfahrungen der früheren Sowjetunion, ihr System zu exportieren, warnte er den Westen, mit der Unterstützung der Islamisten schaffe er Verhältnisse, "die sich gegen ihn wenden." In Regionen, in denen es keine Grundlage für Demokratie gebe, werde das "kein gutes Ende nehmen."

Das ganze Interview, das im Laufe des Tages von der prominenten Plazierung auf der Titelseite verschwand, finden Sie hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/putin-vertrauter-russland-und-der-...





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