Früherer WestLB-Vorstandschef Poullain fordert Ende der Meinungsdiktatur in Deutschland
17. Oktober 2012 • 16:55 Uhr

In einem bemerkenswerten Artikel vom 8.10. in der Zeitschrift Cicero macht sich der frühere West-LB Chef Ludwig Poullain für "einen Schlussstrich bei der Eurorettung" stark. Poullain greift die Meinungsdiktatur in Deutschland an, die dazu geführt habe, daß die Debattenkultur erstorben sei. Daran habe Kanzlerin Merkel maßgeblichen Anteil. Poullain bezeichnet den Euro als einen "Homunculus", der nur gerettet werde, weil man dem "Diktat der Märkte" folgt.

Seit Jahrzehnten gebe es eine "Deindustralisierung" Europas. Die Grundlage der Leistungsfähigkeit Deutschland sei während der Zeit der Deutschen Mark gelegt worden. Poullain greift das sog. Vereinte Europa der "Berufseuropäer", Brüsseler Technokraten und "Einigungsfetischisten" an und fordert eine Rückkehr zur EWG, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die gut funktioniert habe. Die deutsche Industrie, "Trägerin des Fortschritts und des Wohlstands" sowie "Finanzier unseres Sozialstaates" werde auch ohne den Euro in Zukunft weltweit wachsende Märkte haben. "Entwicklungsländer werden zu Schwellenländern, und Schwellenländer wachsen zu Industrienationen heran", und damit zu potentiellen Absatzmärkten für deutsche Produkte.

Poullain erwartet in Kürze einen gewaltigen Knall, "so etwas wie einen währungspolitischen Urknall", bei dem das "Eurokartenhaus in sich zusammenfällt." Im Gegensatz zur Linie von Kanzlerin Merkel mit ihren "blinden Terrakotta-Soldaten im Gefolge " solle sich Deutschland jetzt selbst aus dem Euro befreien und zusammen mit anderen neue Lösungen suchen, statt noch länger abzuwarten, bis dies die anderen Länder ohnehin tun müssen.

Den Beitrag findet man unter diesen Link auf cicero.de