Russia Today: Daniel Estulin im Interview mit Helga Zepp-LaRouche
19. Oktober 2012 • 10:13 Uhr

Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende der Bürgerrechtsbewegung Solidarität, gab am 17. Oktober ein halbstündiges Interview in der wöchentlichen spanischsprachigen Sendung Daniel Estulins im russischen Fernsehsender Russia Today, die von rund 6 Millionen Zuschauern in Iberoamerika, im Südwesten der Vereinigten Staaten, Spanien und anderswo mitverfolgt wird.

Estulin leitete das Interview folgendermaßen ein: „Alle Nationen Europas und alle ihre Bürger stehen heute vor einer doppelten, existentiellen Krise. Das Eurosystem und das gesamte transatlantische Finanzsystem befinden sich in einem Prozeß der völligen Auflösung der Wirtschaft. Dies ist keine Krise, und auch keine Rezession, nicht einmal eine Depression. Es ist vielmehr eine Desintegration. Die Frage ist, wie können wir das stoppen?“

Estulin fragte Zepp-LaRouche, warum die Finanzinstitute scheinbar mächtiger sind als Nationalstaaten. Sie antwortete: „Wenn man in die dreißiger und vierziger Jahre in Frankreich zurückgeht, dann gab es dort ein Phänomen, das man als Synarchie bezeichnete. Und es gibt sogar eine Charta der Synarchie, in der es heißt, daß die Finanzinstitute sicherstellen würden, daß kein Politiker jemals in ein hohes öffentliches Amt gelangt, wenn er nicht den Bankeninteressen dient, insbesondere in einem Moment der Krise, und man absolut sicher ist, daß er nicht für das Gemeinwohl eintritt.“

Estulin erläuterte dann seinen Hörern: „Die synarchistische Bewegung wurde als Gegenangriff der Oligarchie gegen die Amerikanische Revolution und die Prinzipien des neuen souveränen Staates gegründet. Tatsächlich entstand sie in der Zeit der Französischen Revolution, und die Konsequenz des Jakobinerterrors war das Aufkommen der ersten modernen faschistischen Bewegung, der von Napoleon Bonaparte... Die Synarchie versucht heute, die Macht des Nationalstaates an sich zu reißen und zu einer Weltaristokratie zurückzukehren.“

Auf die Frage, wie die europäischen Nationen aus dem Euro herauskommen und zur Souveränität zurückkehren können, erklärte Helga Zepp-LaRouche: „Alles, was man tun muß, ist, daß man aus Gründen der nationalen Existenz und des nationalen Interesses jedes an der Eurozone beteiligten Landes die Verträge von Maastricht bis Lissabon kündigt. Dann kehrt man zur Souveränität über die eigene Währung und Wirtschaft zurück. Man erklärt einen Bankfeiertag, wie es Roosevelt tat, man stellt fest, welche Werte zu diesem Zeitpunkt in den Büchern der Banken vorhanden sind. Man markiert die Währungen mit einer Art magnetischen Tinte und verhängt für eine kurze Übergangszeit Devisenkontrollen. Und dann geht man zu einer neuen Währung über. Auf diese Weise könnte man die Realwirtschaft wieder in Gang setzen. Das muß jedoch verbunden sein mit der Einführung fester Wechselkurse und eines Kreditsystems.“

Dann erläuterte sie die Politik des Trennbankensystems und ihr Programm für die Entwicklung Südeuropas, und die Bedeutung der Landung von Curiosity auf dem Mars. Sie betonte, daß die jetzigen Gefahren für die Menschheit, einschließlich eines Dritten Weltkrieges nur durch einen völligen Paradigmenwandel beseitigt werden können.

Estulin beendete seinen inspirierten Gedankenaustausch mit Helga Zepp-LaRouche mit dem Aufruf an seine Hörer:

„Die Wahrheit steht in der Ordnung der Dinge an oberster Stelle. Eine souveräne Wahrheit findet man nicht in der öffentlichen Meinung, sondern nur in den schöpferischen Prozessen des individuellen menschlichen Geistes. Es gibt eine Lösung. Aber diese Lösung ist völlig unmöglich innerhalb unseres derzeitigen Systems. Das Weltfinanzsystem ist hoffnungslos bankrott, und die derzeitige spekulative Kasinowirtschaft muß durch ein Kreditsystem ersetzt werden, das sich ausschließlich an zukünftigen Investitionen in die reale Wirtschaft orientiert...

Bis die Menschheit das Zeitalter der Vernunft erreicht, wird sie nicht vom Willen der Massen bestimmt sein, sondern von der kleinen Handvoll jener, die das Schicksal der Menschheit zum Guten oder Schlechten in der Hand halten - wie Vieh, das man von einer Weide zur nächsten führt, aber manchmal eben auch zur Schlachtbank.“

Den Videomitschnitt des Interviews finden Sie hier auf der Webseite von RT.