Russischer Außenminister: "Jemand will im Nahen Osten die Grenzen neu ziehen"
24. Oktober 2012 • 12:45 Uhr

Der russische Außenminister Sergej Lavrow griff in einem Interview in "Rossiskaya Gazeta" am 22.10. "einige
Länder" an, die seinen Worten zufolge die syrische Krise benutzen, um die Grenzen im Nahen Osten
"neu zu ziehen". Lawrow sagte weiter: "Jedes Mal, wenn es in Syrien Hoffnung für Fortschritt gibt,versucht
jemand, zu verhindern, daß sich die Lage beruhigt und sorgt absichtlich dafür, daß das Blutvergiessen und der
Bürgerkrieg in Syrien weitergehen."

Russland arbeitet gegenwärtig daran, neue Beratungen des UN-Sicherheitsrates über Syrien auf die
Tagesordnung zu setzen. Dabei geht es sowohl darum, einen Waffenstillstand während des religiösen
Feiertages Id al Adha herbeizuführen als auch, den Friedensplan des UN-Beauftragten Lakhdar Brahimi
voranzubringen. Außerdem war der stellvertretende russische Außenminister Bogdanov gerade im Iran, wo
beide Länder ein gemeinsames Kommunique zur Syrienkrise veröffentlichten, in dem sie sich für eine friedliche
Lösung und die Respektierung der nationalen Souveränität aussprechen.

Inmitten der angespannten Lage im Nahen Osten haben die USA und Israel am 21. Oktober ihre gemeinsamen dreiwöchigen Militärmanöver "Austere Challenge" begonnen. 3500 US-Soldaten vom US-European Command und 1000 israelische Truppen nehmen an den Manövern teil, die über Monate immer wieder verschoben worden waren. Auch die ursprünglich geplante Truppenstärke wurde reduziert. Der amerikanische Stabschef Gen. Martin Dempsey nimmt als Beobachter teil. Amerikanische Schiffe der Aegis-Klasse stellen die Kommando- und Kontrolfunktionen. Die Aegissysteme sind auch eine Schlüsselkomponente der Raketenabwehrsysteme, die die USA und NATO gegen den Protest Russlands und Chinas aufbauen. "Austere Challenge 12" ist die größte gemeinsame Luftverteidigungsübung der beiden Streitkräfte, mit der die "Interoperabilität" verstärkt werden soll. Offiziell werden die Manöver nicht mit den aktuellen Entwicklungen in Verbindung gebracht. Das "Wall Street Journal" schrieb jedoch, sie würden weithin "als Signal an den Iran verstanden, daß ein Angriff auf Israel zur Folge hätte, daß die USA in den Konflikt hineingezogen" würden.