Mörderische Troika-Politik zerstört Gesundheitsversorgung in Portugal, Spanien, Griechenland
26. Oktober 2012 • 11:50 Uhr

Dieselben drastischen Kürzungen im Gesundheitswesen, wie sie die Troika in Griechenland durchsetzt, zerstören jetzt auch die medizinische Versorgung in Portugal und Spanien. Am 20. Oktober organisierte die Nationale Vereinigung der Apotheker (ANF) eine Protestdemonstration in der Hauptstadt Lissabon, an der 6000 Menschen teilnahmen. Die Organisatoren beschuldigten die Regierung, durch die Verzögerungen bei der Bezahlung von Medikamenten im öffentlichen Gesundheitssystem drohe den Apotheken "kollektive Euthanasie". Schon jetzt erhalten 1131 der 2900 Apotheken in Portugal wegen der ausbleibenden staatlichen Zahlungen keine Medikamente mehr geliefert. Sollte sich das nicht ändern, und die Regierung ihren Verpflichtungen nachkommen, wird ab Anfang Dezember die Mehrheit der portugiesischen Apotheken weder Lieferanten bezahlen noch neue Medikamente bestellen können. Wie die portugiesische Presse berichtet, decken sich große Apotheken, die sich das leisten können, jetzt mit Vorräten ein, für den Fall, daß die ganze Versorgungskette wie in Griechenland kollabiert.

Trotzdem besteht die Troika darauf, daß die Regierung 2013 weitere 3,3 Mrd. € an Ausgaben für Medikamente einspart. Pharmazeutische Laboratorien, Lieferanten und Apotheker befürchten einen weiteren Preisdruck auf die Produktion, was dazu führen würde, daß die einheimische Versorgung mit Medikamenten komplett verschwinden wird. Die noch verbleibende Produktion würde dann nur noch ins Ausland exportiert werden.

Auch in Spanien wurden die staatlichen Ausgaben für Medizin in den letzten zwölf Monaten um 25% zurückgefahren. Einige der spanischen Regionen sind 6-8 Monate hinterher, ihre Zuzahlungen zu leisten, was zur "erzwungenen Knappheit" in den Apotheken führt. In Valencia demonstrierten dagegen am 24. Oktober 2000 Apotheker und ihre Kunden unter dem Slogan "Apotheken sind das Ende der Kette". Am nächsten Tag schlossen 80% der Apotheken in der Region Catalunya für einen Tag, um gegen die ausbleibenden Zahlungen der staatlichen Stellen zu protestieren.

Die Portugiesen und Spanier wissen, daß sie "auf dem griechischen Weg" sind. Seit Juli 2011 verlieren griechische Arbeitslose nach einem Jahr ihre Arbeitslosenunterstützung. Jetzt ist die Hälfte der 1,2 Millionen Arbeitslosen Griechenlands nicht mehr krankenversichert und muss 100% aller Ausgaben selbst zahlen. "Jetzt in Griechenland arbeitslos zu sein, bedeutet den Tod", wird ein Arzt in einem kürzlichen Betrag der "New York Times" zitiert. Krankenhäuser und Apotheker fordern Bargeld für Medikamente. Ärzte, die Menschen ohne Krankenversicherung Medikamente des Krankenhauses geben, müssen die Kosten dafür selbst tragen. Einige Ärzte, die in ihrer Freizeit nicht-versicherte Menschen behandeln, haben eine Art Untergrundnetzwerk aufgebaut, um für die Behandlung von den Hinterbliebenen gestorbener Krebspatienten "übriggebliebene" Medikamente einzusammeln, sowie Spenden von Apotheken und pharmazeutischen Firmen. Die Troika entschied diese Woche, weitere 1,5 Mrd. € Kürzungen im Gesundheitssektor durchzusetzen.