Gemeinsame Ziele der Menschheit: Europäische und chinesische Weltraumprojekte
1. November 2012 • 14:51 Uhr

Alle Schritte, um die großen wissenschaftlichen Herausforderungen unseres Universums zum Nutzen der Menschheit zu meistern, sind absolut begrüßenswert. Auch wenn das, was unter den extrem eingeschränkten Finanzierungsbedingungen für Weltraumprojekte gegenwärtig läuft, nur einen kleinen Bruchteil dessen, was eigentlich möglich wäre, darstellt.

Der europäische Weltraum-Industriekonzern Astrium gab Ende Oktober bekannt, daß er seine „Phase B1“-Vorstudie für eine Mission im Jahr 2019 zur Landung eines Raumschiffs am Südpol des Mondes fertiggestellt hat. Die detaillierten Entwürfe für Europas Mondlande-Mission, zu denen auch ein kleines Fahrzeug (ähnlich dem Mars-Rover Curiosity) gehört, wurden beim Internationalen Astronautischen Kongreß in Neapel von den Konstrukteuren vorgestellt. Der Ministerrat der ESA wird am 20.-21. November in Neapel zusammenkommen, um über den Vorschlag für eine Mondlandung und die größeren künftigen Weltraumprogramme zu beraten.

Zur Debatte stehen dann weitere unbemannte Missionen zum Mond, zum Mars und anderen Zielen. Gleichzeitig muß Europa auch über Vorschläge für seinen Beitrag zur bemannten Weltraumfahrt und zur Internationalen Weltraumstation entscheiden, sowie über die nächsten Schritte in Bezug auf seine Transportkapazitäten in den Weltraum wie z.B. eine Weiterentwicklung der Ariane-Raketen, und andere technologische Initiativen.

Auch wenn Europa sein langfristiges „Aurora“-Programm schon vor zehn Jahren formuliert hat, hat die Umsetzung der planetaren Forschungsmissionen und aller übrigen Bestandteile des Plans mit ähnlichen Finanzierungsproblemen wie das amerikanische Weltraumprogramm zu kämpfen. Die ESA ist entschlossen, 2016 zusammen mit der russischen Weltraumbehörde die unbemannte Mission ExoMars durchzuführen. Die Befürworter der Mission hoffen, beim Treffen des Ministerrats eine klare Zusage für die Folgemission 2018 zu erhalten. Dies wurde von dem in Straßburg ansässiges Europäische Ausschuß für Weltraumwissenschaften unterstützt. Die ExoMars-Mission soll Bodenproben vom Mars zur Erde holen, sowie sich an der Mondlandung und weiteren Missionen beteiligen, um Bodenproben vom Mond und von Asteroiden zur Erde zu holen. Die Erfahrungen der ESA mit der bemannten Weltraumfahrt müßten genutzt werden, „um zukünftige bemannte Forschungsmissionen jenseits niedriger Erdumlaufbahnen zu unterstützen.“

Unterdessen bereitet China seinen fünften bemannten Weltraumstart vor. Die nächste bemannte Weltraummission Chinas werde 2013 wie geplant stattfinden, erklärte Chinas erster Astronaut („Taikonaut“) Yang Liwei am 27. Oktober bei einer Pressekonferenz in Shanghai. Er war dort, um anläßlich des 20. Jahrestages des Beginns des bemannten chinesischen Weltraumprogramms eine Luft- und Raumfahrt-Ausstellung zu eröffnen. Eine der Attraktionen der Ausstellung ist die Wiedereintrittskapsel des Raumschiffs Shenzhou-4. Bei der nächsten Mission Shenzhou-10 würden mehr wissenschaftliche Experimente durchgeführt werden, und man werde neue Lebensunterstützungs- und Umweltsteuerungs-Techniken testen. Dies ist notwendig für die chinesischen Pläne für längerfristige Aufenthalte in ihrer zukünftigen Weltraumstation.

Beim Internationalen Astronautischen Kongreß in Neapel berichtete Dr. Wang Zhaoyao, der Direktor des chinesischen Konstruktionsbüros für die bemannte Weltraumfahrt, daß nach der Shenzhou-10-Mission im Zeitraum 2014-16 das Proto-Modul der nächsten Station, Tiangong-2, zum Einsatz kommen soll. Dabei werde man das Umladen von Treibstoff demonstrieren. Diese Station wird dann ein- oder zweimal pro Jahr von Astronauten besucht werden. Ab 2020 soll sie über zwei Module für Experimente verfügen und erweiterbar sein, um unbemannte Frachtschiffe ankoppeln zu können, die China derzeit entwickelt.