„Gesagt, getan“ – BRICS-Staaten arbeiten an einer neuen globalen Finanzarchitektur

„Die Welt steht vor einem hohen Ausmaß wirtschaftlicher und politischer Unruhen. Konflikte und Instabilität nehmen in vielen wichtigen Regionen zu … Frieden und Stabilität wiederherzustellen, ist eine dringende globale Notwendigkeit. Das macht neue Wege der Kooperation und Zusammenarbeit erforderlich“, erklärte Indiens neuer Premierminister Narendra Modi in seiner Rede bei der Plenarsitzung des 6. Gipfeltreffens der BRICS-Staaten am 15. Juli 2014. Dabei hob er die besondere Rolle dieser einzigartigen Kombination von Nationen – Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika – hervor, die dazu dienen könne und müsse, die friedliche und blühende Zukunft zu schaffen, die die ganze Welt so dringend brauche.


von Alexander Hartmann

„Die Welt steht vor einem hohen Ausmaß wirtschaftlicher und politischer Unruhen. Konflikte und Instabilität nehmen in vielen wichtigen Regionen zu … Frieden und Stabilität wiederherzustellen, ist eine dringende globale Notwendigkeit. Das macht neue Wege der Kooperation und Zusammenarbeit erforderlich“, erklärte Indiens neuer Premierminister Narendra Modi in seiner Rede bei der Plenarsitzung des 6. Gipfeltreffens der BRICS-Staaten am 15. Juli 2014. Dabei hob er die besondere Rolle dieser einzigartigen Kombination von Nationen – Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika – hervor, die dazu dienen könne und müsse, die friedliche und blühende Zukunft zu schaffen, die die ganze Welt so dringend brauche.

„Ich glaube, daß BRICS diese Forderung bewältigen kann. Das tue ich, weil BRICS als internationale Institution einzigartig ist. Sie vereint zum erstenmal eine Gruppe von Nationen nicht auf der Grundlage vorhandenen Wohlstands oder gemeinsamer Identitäten, sondern des Zukunftspotentials. Schon die Idee von BRICS an sich ist also auf die Zukunft ausgerichtet. Deshalb glaube ich, daß sie den bestehenden internationalen Institutionen frische Perspektiven und Mechanismen hinzufügen kann.“

Genau diese „frische Perspektive“ ist es, die die BRICS-Gruppe als Alternative zu den Mächten des untergehenden transatlantischen Finanzsystems für immer mehr Nationen in aller Welt interessant macht, wie Helga Zepp-LaRouche in unserem Leitartikel der vergangenen Woche schrieb: „Derzeit findet eine strategische Neuausrichtung einer großen Anzahl von Staaten statt, die trotz der Schrecklichkeiten, die in Südwestasien und der Ukraine stattfinden, und trotz des bevorstehenden transatlantischen Finanzkollapses berechtigte Hoffnung gibt, daß es möglich sein wird, die gegenwärtige zivilisatorische Krise der Menschheit zu überwinden.“

In seiner Pressekonferenz in Brasilia wies der russische Präsident Putin am 17. Juli darauf hin, daß die BRICS-Staaten im Gegensatz zu den „entwickelten“ Nationen den Aufwärtstrend für die Zukunft der Menschheit verkörpern:

„Ich möchte Sie an etwas erinnern, was bereits erwähnt wurde: Die BRICS-Staaten haben zusammen mehr als 40% der Weltbevölkerung und 21% des globalen BIP. Aber es ist nicht der Anteil, der so wichtig ist, sondern die Tatsache, daß diese Länder ein sehr bedeutendes Wirtschaftswachstum haben. In den letzten 10 Jahren ist das BIP der entwickelten Länder um 60% gewachsen, aber in den BRICS-Staaten hat es sich vervierfacht. Dabei müssen wir natürlich berücksichtigen, daß sich die 60% auf ein sehr großes Volumen als Ausgangspunkt beziehen, während unsere Vervierfachung von einer kleineren Basis ausging. Aber das sind die Raten. Dies sind alles junge Staaten, und die Zukunft gehört der Jugend.“

Neben der Zukunftsorientierung sind dabei noch zwei weitere Aspekte wesentlich: die Einigkeit der fünf beteiligten Regierungen und die Entschlossenheit, das, worauf man sich geeinigt hat, auch zügig in die Tat umzusetzen.

„Uns eint der Wunsch, in allen Fragen der globalen Entwicklung und der Bildung der globalen Finanz- und Wirtschaftsarchitektur von einer gemeinsamen Position aus zu handeln“, sagte Putin in seiner Rede bei der Plenarsitzung. Die Pläne zur Gründung einer Neuen Entwicklungsbank und eines Devisen-Reservepools, die man sich ein Jahr zuvor vorgenommen hatte, „sind verwirklicht worden … Die Bank und der Devisenpool legen die Grundlage für die Koordinierung einer makroökonomischen Politik zwischen unseren Nationen. Ich bin zuversichtlich, daß eine engere wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeit zwischen den BRICS-Staaten uns erlauben wird, wirklich große gemeinsame Programme durchzuführen, mit dem Ziel, unsere Nationen zu entwickeln.“

Putin verwies auf den „Fahrplan für die Investitions-Kooperation“, mit 37 Projekten in verschiedenen Bereichen „von der Hochtechnologie bis zum humanitären Sektor“, wie unter anderem die Schaffung einer Energievereinigung der BRICS-Staaten, unter deren Dach eine Treibstoffreserve-Bank und ein energiepolitisches Institut eingerichtet werden sollen, die gemeinsame Nutzung des russischen globalen Navigationssystems GLONASS in Bereichen wie Verkehr, öffentlicher Sicherheit und Landwirtschaft (allein in der Landwirtschaft werde die Nutzung des GLONASS-Systems die Erträge um 30-50% steigern helfen, so Putin), sowie eine Zusammenarbeit auf den Warenmärkten.

Chinas Präsident Xi Jinping sagte nach seinem bilateralen Treffen mit Putin, in den zwei Monaten, seitdem beide bei ihrem Treffen in Shanghai „eine ganze Reihe historischer Vereinbarungen“ unterzeichneten, habe es bereits intensive Kontakte zwischen Vertretern der lokalen Verwaltungen und nationalen Regierungen beider Länder gegeben. Bei fast allen Kooperationsprojekten seien Fortschritte gemacht worden. „Ich sage jedem, daß es in unserer Zusammenarbeit mit Rußland wichtig ist, im Geiste des ,Gesagt, getan’ zu arbeiten. Ihre Seite hat sogar ein noch positiveres Signal gegeben: Bei einem großen Treffen der Botschafter haben Sie eine umfassende Aufwertung der russisch-chinesischen Beziehungen gefordert. Ich hoffe, daß die beiden Seiten unsere Vereinbarungen voll umsetzen. Schmiede das Eisen, solange es heiß ist, sozusagen.“

Ein produktives Kreditsystem

Die wohl wichtigste Aufgabe, die es im Geiste dieses „gesagt, getan“ zu lösen gilt, ist die schnellstmögliche Schaffung einer Alternative zum bankrotten derzeitigen Weltfinanzsystem, nämlich ein Finanz- und Bankensystem, das Kredite für den Aufbau und die Entwicklung der produzierenden Wirtschaft und der dafür benötigten Infrastruktur bereitstellt. Zwei wesentliche Einrichtungen zu diesem Zweck wurden beim BRICS-Gipfel realisiert: eine von den fünf BRICS-Staaten gegründete Neue Entwicklungsbank (NDB), und ein gemeinsamer Devisenreservepool (CRA). Dazu wird demnächst noch die Asiatische Infrastruktur-Investitions-Bank (AIIB) kommen, deren Gründung die chinesische Regierung energisch vorantreibt.

In einer Pressekonferenz am Rande des BRICS-Gipfels sagte der stellv. Gouverneur der Indischen Reservebank Urijit Patel, der CRA-Fonds, der dazu geschaffen wurde, die nationalen Währungen im Fall von Liquiditätskrisen zu verteidigen, werde den aufstrebenden Nationen „etwas zusätzliche Sicherheit bieten... Ich halte es für ein wichtiges Signal, daß die BRICS-Staaten bereit sind, bei der Veränderung der Art und Weise, wie wir über die Finanzarchitektur der Welt denken, die Führung zu übernehmen.“

Die Frage der neuen Finanzarchitektur stand auch beim Zusammentreffen der Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten mit denen der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) ganz im Mittelpunkt. Gleich als zweite Rednerin nach der gastgebenden brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff sprach Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, die in einem kämpferischen Vortrag über die Auseinandersetzung ihres Landes mit den Geierfonds berichtete und in einem leidenschaftlichen Appell ein gerechteres globales Finanzsystem forderte, das in der Lage ist, die dringenden Bedürfnisse der Weltbevölkerung zu erfüllen.

„Wir erklären daher, daß eine neue, globale Finanzordnung nicht bloß fair und gerecht, sondern absolut notwendig ist“, sagte sie. Alle Länder „sind aufgefordert, ihre Kräfte in diesem wahren Kreuzzug für eine neue globale politische, wirtschaftliche und finanzielle Organisation zu vereinen, die positive politische, soziale und kulturelle Folgen für unsere Nationen hat.“ Gegenüber Journalisten berichtete Fernández, daß alle Staats- und Regierungschefs der Mitglieder von BRICS und UNASUR Argentinien starke Unterstützung zugesagt haben, wofür sie ihnen dankte. Unmittelbar vor dem BRICS-Treffen hatte Rußlands Präsident Putin Argentinien besucht, unmittelbar danach reiste Chinas Präsident Xi nach Argentinien, um die „strategische Allianz“ zu konsolidieren.

Wie bei der Seidenstraßen-Diplomatie der chinesischen Regierung in Eurasien steht auch hier der Ausbau der Infrastruktur im Mittelpunkt. U.a. wurde im Rahmen des Besuchs von Xi ein 4,7-Mrd.$-Kredit zur Finanzierung eines großen Wasserkraftwerk-Komplexes in der Provinz Santa Cruz in Patagonien vereinbart, dazu ein 2,5 Mrd.$-Kredit zur Erneuerung der Eisenbahn Belgrano-Cargas, die die Provinzen des Nordens und Westens mit wichtigen Häfen verbindet, um die Exporte nach China zu erleichtern. Außerdem wurde eine Vereinbarung über einen 11 Mrd.$-Devisenswap zwischen den beiden Zentralbanken getroffen. Noch in Brasilien hatte Xi dem peruanischen Präsidenten Ollanta Humala vorgeschlagen, daß China, Peru und Brasilien eine Arbeitsgruppe gründen, um die Zusammenarbeit beim Bau einer Eisenbahn quer durch den südamerikanischen Kontinent zu fördern.

Der Kontrast zwischen der Zukunftsausrichtung der BRICS-Staaten und den „ewiggestrigen“ Versuchen des transatlantischen Finanzempires und der von ihm beherrschten Regierungen könnte kaum größer sein: letztere versuchen verzweifelt, ein finanzielles Kartenhaus zu retten, das nicht mehr zu retten ist, vielleicht sogar um den Preis einer militärischen Konfrontation mit Rußland und China. In einem Konferenzgespräch mit Aktivisten des LaRouche-Aktionskomitees in den Vereinigten Staaten betonte Helga Zepp-LaRouche: „Die derzeitige globale Krise ist größer als die von 1989 – aber auch die Chance. Denn Tatsache ist, daß es eine Alternative zu dem gegenwärtigen, mörderischen System gibt – nicht zuletzt dank der Arbeit von Lyndon LaRouche und seiner politischen Bewegung.“

Kernpunkte dieser Alternative sei LaRouches Vier-Punkte-Programm: Rückkehr zum Glass-Steagall-Trennbankensystem, Ablösung des monetaristischen Finanzsystems durch ein Kreditsystem zur Finanzierung großer Aufbauprojekte und Verwirklichung der Kernfusion und anderer Wissenschaftsprojekte.

Sie fuhr fort: „Wir haben jeden Grund zu der Annahme, daß dieses Programm aufgrund der langfristigen Wirkung unserer Interventionen als politische Bewegung verwirklicht werden kann. Wir haben 1974 angefangen, uns für die Kernfusion einzusetzen, ab 1975 für die Internationale Entwicklungsbank, ab 1991 für die Eurasische Landbrücke. All diese Ideen finden Anklang, nicht nur bei den amerikanischen Patrioten, sondern auch bei unseren Verbündeten in aller Welt, insbesondere China, Indien, Rußland und den meisten Staaten Südamerikas.“

Nun liegt es an den Nationen und Bürgern der westlichen Welt, dafür zu sorgen, daß die Chance von 2014 nicht ebenso vertan wird wie die von 1989, sondern zur Verwirklichung der gemeinsamen Ziele der Menschheit genutzt wird – also genau in dem Geist, der beim BRICS-Gipfel von Fortaleza zum Tragen kam.

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„Die Welt steht vor einem hohen Ausmaß wirtschaftlicher und politischer Unruhen. Konflikte und Instabilität nehmen in vielen wichtigen Regionen zu … Frieden und Stabilität wiederherzustellen, ist eine dringende globale Notwendigkeit. Das macht neue Wege der Kooperation und Zusammenarbeit erforderlich“, erklärte Indiens neuer Premierminister Narendra Modi in seiner Rede bei der Plenarsitzung des 6. Gipfeltreffens der BRICS-Staaten am 15. Juli 2014. Dabei hob er die besondere Rolle dieser einzigartigen Kombination von Nationen – Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika – hervor, die dazu dienen könne und müsse, die friedliche und blühende Zukunft zu schaffen, die die ganze Welt so dringend brauche.

„Ich glaube, daß BRICS diese Forderung bewältigen kann. Das tue ich, weil BRICS als internationale Institution einzigartig ist. Sie vereint zum erstenmal eine Gruppe von Nationen nicht auf der Grundlage vorhandenen Wohlstands oder gemeinsamer Identitäten, sondern des Zukunftspotentials. Schon die Idee von BRICS an sich ist also auf die Zukunft ausgerichtet. Deshalb glaube ich, daß sie den bestehenden internationalen Institutionen frische Perspektiven und Mechanismen hinzufügen kann.“

Genau diese „frische Perspektive“ ist es, die die BRICS-Gruppe als Alternative zu den Mächten des untergehenden transatlantischen Finanzsystems für immer mehr Nationen in aller Welt interessant macht, wie Helga Zepp-LaRouche in unserem Leitartikel der vergangenen Woche schrieb: „Derzeit findet eine strategische Neuausrichtung einer großen Anzahl von Staaten statt, die trotz der Schrecklichkeiten, die in Südwestasien und der Ukraine stattfinden, und trotz des bevorstehenden transatlantischen Finanzkollapses berechtigte Hoffnung gibt, daß es möglich sein wird, die gegenwärtige zivilisatorische Krise der Menschheit zu überwinden.“

In seiner Pressekonferenz in Brasilia wies der russische Präsident Putin am 17. Juli darauf hin, daß die BRICS-Staaten im Gegensatz zu den „entwickelten“ Nationen den Aufwärtstrend für die Zukunft der Menschheit verkörpern:

„Ich möchte Sie an etwas erinnern, was bereits erwähnt wurde: Die BRICS-Staaten haben zusammen mehr als 40% der Weltbevölkerung und 21% des globalen BIP. Aber es ist nicht der Anteil, der so wichtig ist, sondern die Tatsache, daß diese Länder ein sehr bedeutendes Wirtschaftswachstum haben. In den letzten 10 Jahren ist das BIP der entwickelten Länder um 60% gewachsen, aber in den BRICS-Staaten hat es sich vervierfacht. Dabei müssen wir natürlich berücksichtigen, daß sich die 60% auf ein sehr großes Volumen als Ausgangspunkt beziehen, während unsere Vervierfachung von einer kleineren Basis ausging. Aber das sind die Raten. Dies sind alles junge Staaten, und die Zukunft gehört der Jugend.“

Neben der Zukunftsorientierung sind dabei noch zwei weitere Aspekte wesentlich: die Einigkeit der fünf beteiligten Regierungen und die Entschlossenheit, das, worauf man sich geeinigt hat, auch zügig in die Tat umzusetzen.

„Uns eint der Wunsch, in allen Fragen der globalen Entwicklung und der Bildung der globalen Finanz- und Wirtschaftsarchitektur von einer gemeinsamen Position aus zu handeln“, sagte Putin in seiner Rede bei der Plenarsitzung. Die Pläne zur Gründung einer Neuen Entwicklungsbank und eines Devisen-Reservepools, die man sich ein Jahr zuvor vorgenommen hatte, „sind verwirklicht worden … Die Bank und der Devisenpool legen die Grundlage für die Koordinierung einer makroökonomischen Politik zwischen unseren Nationen. Ich bin zuversichtlich, daß eine engere wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeit zwischen den BRICS-Staaten uns erlauben wird, wirklich große gemeinsame Programme durchzuführen, mit dem Ziel, unsere Nationen zu entwickeln.“

Putin verwies auf den „Fahrplan für die Investitions-Kooperation“, mit 37 Projekten in verschiedenen Bereichen „von der Hochtechnologie bis zum humanitären Sektor“, wie unter anderem die Schaffung einer Energievereinigung der BRICS-Staaten, unter deren Dach eine Treibstoffreserve-Bank und ein energiepolitisches Institut eingerichtet werden sollen, die gemeinsame Nutzung des russischen globalen Navigationssystems GLONASS in Bereichen wie Verkehr, öffentlicher Sicherheit und Landwirtschaft (allein in der Landwirtschaft werde die Nutzung des GLONASS-Systems die Erträge um 30-50% steigern helfen, so Putin), sowie eine Zusammenarbeit auf den Warenmärkten.

Chinas Präsident Xi Jinping sagte nach seinem bilateralen Treffen mit Putin, in den zwei Monaten, seitdem beide bei ihrem Treffen in Shanghai „eine ganze Reihe historischer Vereinbarungen“ unterzeichneten, habe es bereits intensive Kontakte zwischen Vertretern der lokalen Verwaltungen und nationalen Regierungen beider Länder gegeben. Bei fast allen Kooperationsprojekten seien Fortschritte gemacht worden. „Ich sage jedem, daß es in unserer Zusammenarbeit mit Rußland wichtig ist, im Geiste des ,Gesagt, getan’ zu arbeiten. Ihre Seite hat sogar ein noch positiveres Signal gegeben: Bei einem großen Treffen der Botschafter haben Sie eine umfassende Aufwertung der russisch-chinesischen Beziehungen gefordert. Ich hoffe, daß die beiden Seiten unsere Vereinbarungen voll umsetzen. Schmiede das Eisen, solange es heiß ist, sozusagen.“

Ein produktives Kreditsystem

Die wohl wichtigste Aufgabe, die es im Geiste dieses „gesagt, getan“ zu lösen gilt, ist die schnellstmögliche Schaffung einer Alternative zum bankrotten derzeitigen Weltfinanzsystem, nämlich ein Finanz- und Bankensystem, das Kredite für den Aufbau und die Entwicklung der produzierenden Wirtschaft und der dafür benötigten Infrastruktur bereitstellt. Zwei wesentliche Einrichtungen zu diesem Zweck wurden beim BRICS-Gipfel realisiert: eine von den fünf BRICS-Staaten gegründete Neue Entwicklungsbank (NDB), und ein gemeinsamer Devisenreservepool (CRA). Dazu wird demnächst noch die Asiatische Infrastruktur-Investitions-Bank (AIIB) kommen, deren Gründung die chinesische Regierung energisch vorantreibt.

In einer Pressekonferenz am Rande des BRICS-Gipfels sagte der stellv. Gouverneur der Indischen Reservebank Urijit Patel, der CRA-Fonds, der dazu geschaffen wurde, die nationalen Währungen im Fall von Liquiditätskrisen zu verteidigen, werde den aufstrebenden Nationen „etwas zusätzliche Sicherheit bieten... Ich halte es für ein wichtiges Signal, daß die BRICS-Staaten bereit sind, bei der Veränderung der Art und Weise, wie wir über die Finanzarchitektur der Welt denken, die Führung zu übernehmen.“

Die Frage der neuen Finanzarchitektur stand auch beim Zusammentreffen der Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten mit denen der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) ganz im Mittelpunkt. Gleich als zweite Rednerin nach der gastgebenden brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff sprach Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, die in einem kämpferischen Vortrag über die Auseinandersetzung ihres Landes mit den Geierfonds berichtete und in einem leidenschaftlichen Appell ein gerechteres globales Finanzsystem forderte, das in der Lage ist, die dringenden Bedürfnisse der Weltbevölkerung zu erfüllen.

„Wir erklären daher, daß eine neue, globale Finanzordnung nicht bloß fair und gerecht, sondern absolut notwendig ist“, sagte sie. Alle Länder „sind aufgefordert, ihre Kräfte in diesem wahren Kreuzzug für eine neue globale politische, wirtschaftliche und finanzielle Organisation zu vereinen, die positive politische, soziale und kulturelle Folgen für unsere Nationen hat.“ Gegenüber Journalisten berichtete Fernández, daß alle Staats- und Regierungschefs der Mitglieder von BRICS und UNASUR Argentinien starke Unterstützung zugesagt haben, wofür sie ihnen dankte. Unmittelbar vor dem BRICS-Treffen hatte Rußlands Präsident Putin Argentinien besucht, unmittelbar danach reiste Chinas Präsident Xi nach Argentinien, um die „strategische Allianz“ zu konsolidieren.

Wie bei der Seidenstraßen-Diplomatie der chinesischen Regierung in Eurasien steht auch hier der Ausbau der Infrastruktur im Mittelpunkt. U.a. wurde im Rahmen des Besuchs von Xi ein 4,7-Mrd.$-Kredit zur Finanzierung eines großen Wasserkraftwerk-Komplexes in der Provinz Santa Cruz in Patagonien vereinbart, dazu ein 2,5 Mrd.$-Kredit zur Erneuerung der Eisenbahn Belgrano-Cargas, die die Provinzen des Nordens und Westens mit wichtigen Häfen verbindet, um die Exporte nach China zu erleichtern. Außerdem wurde eine Vereinbarung über einen 11 Mrd.$-Devisenswap zwischen den beiden Zentralbanken getroffen. Noch in Brasilien hatte Xi dem peruanischen Präsidenten Ollanta Humala vorgeschlagen, daß China, Peru und Brasilien eine Arbeitsgruppe gründen, um die Zusammenarbeit beim Bau einer Eisenbahn quer durch den südamerikanischen Kontinent zu fördern.

Der Kontrast zwischen der Zukunftsausrichtung der BRICS-Staaten und den „ewiggestrigen“ Versuchen des transatlantischen Finanzempires und der von ihm beherrschten Regierungen könnte kaum größer sein: letztere versuchen verzweifelt, ein finanzielles Kartenhaus zu retten, das nicht mehr zu retten ist, vielleicht sogar um den Preis einer militärischen Konfrontation mit Rußland und China. In einem Konferenzgespräch mit Aktivisten des LaRouche-Aktionskomitees in den Vereinigten Staaten betonte Helga Zepp-LaRouche: „Die derzeitige globale Krise ist größer als die von 1989 – aber auch die Chance. Denn Tatsache ist, daß es eine Alternative zu dem gegenwärtigen, mörderischen System gibt – nicht zuletzt dank der Arbeit von Lyndon LaRouche und seiner politischen Bewegung.“

Kernpunkte dieser Alternative sei LaRouches Vier-Punkte-Programm: Rückkehr zum Glass-Steagall-Trennbankensystem, Ablösung des monetaristischen Finanzsystems durch ein Kreditsystem zur Finanzierung großer Aufbauprojekte und Verwirklichung der Kernfusion und anderer Wissenschaftsprojekte.

Sie fuhr fort: „Wir haben jeden Grund zu der Annahme, daß dieses Programm aufgrund der langfristigen Wirkung unserer Interventionen als politische Bewegung verwirklicht werden kann. Wir haben 1974 angefangen, uns für die Kernfusion einzusetzen, ab 1975 für die Internationale Entwicklungsbank, ab 1991 für die Eurasische Landbrücke. All diese Ideen finden Anklang, nicht nur bei den amerikanischen Patrioten, sondern auch bei unseren Verbündeten in aller Welt, insbesondere China, Indien, Rußland und den meisten Staaten Südamerikas.“

Nun liegt es an den Nationen und Bürgern der westlichen Welt, dafür zu sorgen, daß die Chance von 2014 nicht ebenso vertan wird wie die von 1989, sondern zur Verwirklichung der gemeinsamen Ziele der Menschheit genutzt wird – also genau in dem Geist, der beim BRICS-Gipfel von Fortaleza zum Tragen kam.