Bail-in-Politik löst in Südeuropa Kapitalflucht aus
14. Januar 2016 • 20:04 Uhr

Der Finanzanalyst Mike Shedlock hat Daten zusammengestellt, die zeigen, daß eine massive Kapitalflucht von Südeuropa, insbesondere Italien, in Richtung Deutschland, Luxemburg und Holland eingesetzt hat. Da die Empfängerbanken sich offensichtlich über den bevorstehenden Finanzkrach bewußt sind, wurden diese neuen Einlagen nicht als Kredite an Industrie oder Verbraucher weitergegeben, sondern bei der EZB geparkt, obwohl der Zinssatz für solche Einlagen bei der EZB derzeit bei -0,3 Prozent liegt, die Banken also noch draufzahlen müssen.

Diese Kapitalflucht kommt in der Tat einem organisierten, klassischen Ansturm auf die Banken gleich. In seinem Artikel „Europa fürchtet Bail-ins“, erläutert Shedlock, was diese große und wachsende Kapitalflucht treibt: Es ist die „Angst vor Bail-ins, Konfiszierungen, Kapitalkontrollen und Bankpleiten, so wie wir sie in Griechenland und Zypern gesehen haben. Jüngste Beispiele sind auch Portugal und Italien.“

Die bei der EZB geparkten Euro-Einlagen sind zwischen Januar und Dezember 2015 von 36,6 Mrd. auf 196 Mrd. Euro gestiegen. Anhand der Daten der EZB über die so entstandenen „Ungleichgewichte“ innerhalb der Euro-Todeszone (die man Target2 nennt), zeigt Shedlock, daß diese Kapitalflucht größtenteils von Anlegern betrieben wird, die die ersten Opfer der Bail-in-Pläne der EU wären. Aus den Angaben der EZB hat er eine Tabelle erstellt, die einen Überblick über diese Target2-Ungleichgewichte gibt: An der Spitze steht Spanien mit „dem größten Minus seit 2012“, dann folgt Italien mit „einem nie dagewesenen Minus“, später Frankreich mit „dem schlimmsten seit 2011“. Und als Gewinner finden wir zuerst Deutschland mit „dem höchsten positiven Saldo seit 2012“ und als zweites Luxemburg mit „einem historischen Höchststand“.

Obwohl er damit den Irrsinn der Bail-in-Politik belegt hat, beendet Shedlock seinen Artikel mit der Feststellung: „Die Bail-in-Richtlinie ist eine gute Sache.“ Wenn so die Logik eines Experten aussieht, darf man sich über den mörderischen Irrwitz von Politikern wie Schäuble, Juncker oder Dijsselbloem nicht wundern.