Sechs Millionen Franzosen sehen nationale TV-Kandidatendebatte mit Cheminade
11. April 2017 • 12:29 Uhr

Der modus operandi der französischen Präsidentschaftswahlen, allen elf offiziellen Kandidaten zweimal die Gelegenheit zu geben, gemeinsam aufzutreten, hat bei deutschen Medien sofort die Alarmglocken schrillen lassen. So schrieb der Spiegel unmittelbar nach der ersten nationalen Fernsehdebatte, diese Teilnahme aller Kandidaten sei " keine gute Idee". Soviel zum Verständnis von Pressefreiheit und Chancengleichheit beim "britischen Besatzungskind"....

Bei der ersten große Fernsehdebatte aller 11 Präsidentschaftskandidaten auf BFM-TV am 4.4., die fast vier Stunden dauerte sahen bis zu 6,3 Mio. und durchschnittlich gut 5,5 Mio. Menschen zu. In den 17 Minuten, die jeder zur Verfügung hatte, griff Cheminade die Establishmentkandidaten wiederholt scharf an, sie seien für das gegenwärtige Debakel verantwortlich. Er wandte sich gegen das „falsche Europa” der EU, wie es Mario Draghi und die Bankenrettungen verkörpern. Frankreich müsse heraus aus EU, Euro and NATO, aber nicht, um ins Ungewisse zu springen, sondern um „ein wahres Europa souveräner Nationen zu schaffen, das Großprojekte ausführt, verbündet mit BRICS, mit China und dessen Win-Win-Kooperation”.

Er sprach auch über das Thema Staatsschulden, das andere aufgebracht hatten. Diese Schulden, z.B. in Griechenland, seien ungerecht und illegitim. Man müsse die illegitimen Schulden aussortieren, die Banken trennen und produktiven Kredit vergeben.

Zum Terrorismus erklärte Cheminade, Frankreich habe niemals wirklich Krieg gegen Daesch (ISIS) geführt, weil nie deren Finanzierung durch Drogen- und Ölschmuggel etc. untersucht wurde. „Es gab vom Pentagon finanzierte Organisationen und andere, von der CIA finanzierte, die gegeneinander kämpften.” Und Präsident Hollande pflegte eine Sonderbeziehung zu Saudi-Arabien, um dem Land Waffen zu verkaufen. Der eigentliche Fehler aber sei der Mangel an wirtschaftlicher Entwicklung, u.a. in Afrika.

In einem Interview auf France2 am nächsten Tag beschrieb er die Debatte als „emotionale Übung in Selbstinszenierung”, weil jede echte programmatische Diskussion fehlte. „Keiner greift die Finanzmärkte an, keiner sagt, was man braucht, um aus diesem Schlamassel herauszukommen.” Später fügte er hinzu, man müsse sich von der heute vorherrschenden pessimistischen und negativen Einstellung befreien und dazu wirkliche Kunst und Wissenschaft im Volk wiederbeleben.

Am 5.4. stellte Cheminade mit einer Pressekonferenz sein neues Buch („Frankreich aus der Zukunft gesehen“) und seinen Beirat vor. Diesem gehören u.a. ein pensionierter Chirurg, ein Astrophysiker, ein Geologe, zwei Oberste a.D. und der frühere Außenminister des Tschad an. Cheminade bezeichnete sie als sozial eingestellte, aufopferungsvolle Menschen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, ganz anders als die Berufspolitiker und deren „gesalbte“ Experten, die schuld am heutigen Schlamassel seien.