3. Januar 2001 -
Auf einer internationalen, auch im Internet live übertragenen
Veranstaltung am 3. Januar hat der amerikanische
Präsidentschaftskandidat Lyndon LaRouche zum Widerstand gegen
die neue Regierung Bush aufgerufen. Kongreß und Bevölkerung
müßten so mobilisiert werden, wie es 1933 in Deutschland nötig
gewesen wäre, um die Machtergreifung Hitlers zu verhindern.
LaRouche warnt vor Dikatur in Amerika:
"Erwarten Sie nichts von Bush!"
Widerstand gegen Ashcroft
Was sollen die amerikanische Bevölkerung und die Welt
insgesamt von dem neuen US-Präsidenten George W. Bush halten?
Dies war eine der Fragen, mit der sich Lyndon LaRouche im Rahmen
eines internationalen Seminars, das gleichzeitig in der
amerikanischen Hauptstadt Washington und New York stattfand,
umfassend auseinandersetzte. Diese hochpolitische Veranstaltung,
die live über das Internet als "webcast" verbreitet wurde, fand
am 3. Januar statt, als gerade die neugewählten Mitglieder des
Repräsentantenhauses und des Senats vereidigt wurden. Eine der
ersten Fragen, mit denen sich die Abgeordneten
auseinanderzusetzen haben, ist ein an den Kongreß gerichteter
Aufruf LaRouches, eine parlamentarische Überprüfung der jüngsten
Wahlen vorzunehmen.
An den beiden parallelen Seminaren nahmen amerikanische, aber
auch internationale politische Persönlichkeiten teil, darunter
25 Diplomaten aus Washington und von verschiedenen
Vertretungen bei den Vereinten Nationen in New York. Zusätzlich
waren auch zahlreiche Pressevertreter aus allen Teilen der Welt
vertreten.
LaRouche stellte die sich explosionsartig ausweitende
wirtschaftliche und finanzielle Zusammenbruchskrise ganz in den
Mittelpunkt und erklärte kategorisch: "Wenn das Bush-Team im
Weißen Haus ist und jene Politik umsetzt, zu der es sich immer
wieder bekannt hat, werden die Vereinigten Staaten als Nation
sehr bald am Boden liegen."
Von diesem Standpunkt aus erläuterte er seine Entscheidung,
bereits jetzt seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten 2004
zu erklären, um so Demokraten und Republikaner um eine Politik
zu sammeln, mit der Franklin D. Roosevelt die USA und die Welt
aus der Großen Depression herausgeführt hat. Er gehe zwar
nicht davon aus, daß George W. Bush belehrbar sei, fuhr er fort,
aber er hoffe, "wir können genug Druck aufbauen, so daß er zu
der Überzeugung kommt, es wäre besser, mit guter Miene
mitzumachen."
In der nachfolgenden Diskussion mit Politikern, Diplomaten und
Journalisten, die entweder persönlich anwesend oder über Telefon
bzw. das Internet zugeschaltet waren, erörterte LaRouche
verschiedene wichtige innenpolitische und auswärtige
Initiativen. Auf die Frage eines afrikanischen Diplomaten, wie
die Politik der neuen Regierung Bush gegenüber Afrika aussehen
könnte, antwortete LaRouche undiplomatisch, Bush verhielte sich
gegenüber Afrika wahrscheinlich noch schlimmer als Clinton. Es
seien vor allem die Franzosen und Anglo-Amerikaner, die Afrika
ausplünderten, und sie - einschließlich Bush - seien auch
für den Völkermord verantwortlich. In der Regierung Clinton habe
es zumindest Auseinandersetzungen um die Afrika-Politik gegeben.
Unter Bush werde der rassistische Flügel der republikanischen
"Südstaatler" eine noch weitaus bösartigere Politik vertreten.
LaRouche erklärte, man sollte Bush-Loyalisten wie Newt Gingrich
und den derzeitigen republikanischen Mehrheitsführer im Senat
Trent Lott, der in den 60er Jahre mit dem Ku-Klux-Klan
verhandelte, direkt befragen, wie denn ihre Haltung gegenüber
Afrika aussehe.
LaRouche verwies in diesem Zusammenhang auf die Tradition der
Familie Bush, die immer schon an Rohstoffen, Mineralien und
Goldvorkommen interessiert gewesen sei. "Erwarten Sie nichts
von Bush", warnte er.
Als ein anderer afrikanischer Diplomat nach den Möglichkeiten
der Elektrifizierung des afrikanischen Kontinents fragte,
schilderte LaRouche ausführlich die amerikanische Politik unter
Franklin Delano Roosevelt, die dieser 1942 dem damaligen
britischen Premierminister Churchill dargestellt hatte: Eine
Politik zur wirtschaftlichen Entwicklung des ganzen Kontinents.
So sollte eine Eisenbahnstrecke Dakar mit Dschibuti und Port
Sudan verbinden und auch eine Nord-Süd-Verbindung von Ägypten
bis nach Kapstadt gebaut werden. Daraus hätte sich ein
umfassendes Schienennetz in ganz Afrika entwickeln können.
Derartige Projekte sollten von außen subventioniert werden,
wobei ausländische Fonds für den notwendigen Technologietransfer
geschaffen werden müßten. Afrikanische Arbeitskräfte sollten die
Projekte verwirklichen, welche nach Fertigstellung dann von den
jeweiligen nationalen Regierungen übernommen würden. Das gleiche
Prinzip gelte auch für den Aufbau der Verkehrsinfrastruktur
und der Wasser- und Energieversorgung.
Angesichts der Gefahr, die Pandemien in Afrika für die gesamte
Welt darstellten, müsse man in großem Umfang sofort vor Ort
tätig werden. Von amerikanischer Seite könnte eine Reaktivierung
des sogenannten "Peace Corps" überlegt werden, das unter
Präsident Kennedy ins Leben gerufen worden sei und vielen jungen
Amerikanern wichtige Erfahrungen und Einblicke und damit Wissen
über Afrika vermittelt hätte, erklärte LaRouche weiter.
Widerstand gegen Ashcroft
Aus der Gruppe schwarzer Kongreßabgeordneter wurde
LaRouche gefragt, was er von der Nominierung John Ashcrofts zum
neuen US-Justizminister halte, eines "unverbesserlichen
Konföderierten" und bekennenden Anhängers von Jefferson Davis.
"Wir können uns nicht vorstellen, wie er die Verfassung achten
kann, die er doch so deutlich ablehnt", erklärte der
Abgeordnete. LaRouche entgegnete: "Wenn Bush Ashcroft für
das Amt des Justizministers nominiert, macht er damit deutlich,
daß der Ku-Klux-Klan wieder auf dem Vormarsch ist. Das ist
sonnenklar.
Vielleicht wußte Bush nicht, was er tat, aber irgendjemand aus
der Mannschaft um Bush wußte es... Ashcroft war schon für
den Kongreß eine Schande. Sollte die Demokraten im Kongreß
Ashcrofts Nominierung einfach so hinnehmen, ist der Kongreß am
Ende."
LaRouche verglich die Nominierung Ashcrofts mit der
entscheidenden Wende in der Machtergreifung Hitlers nach dem
Reichstagsbrand, d.h. den Notverordnungen und schließlich
dem "Ermächtigungsgesetz", das die Verfolgung und Ausschaltung
politischer Gegner legitimierte. Und schließlich dürfe man in
diesem Zusammenhang nicht vergessen, daß es der Großvater des
jetzigen designierten Präsidenten gewesen sei, der den damals
schon weitgehend angeschlagenen deutschen Diktator unterstützt
habe. Auch wenn man die Nominierung Ashcrofts nicht direkt mit
dem Reichstagsbrand vergleichen könne, so stelle sie doch eine
"bewußte Provokation" dar, sagte LaRouche weiter, und wenn sich
ehrliche Demokraten und Republikaner nicht zusammentäten, um
diese Nominierung zurückzuweisen, sei der Kongreß nichts mehr
wert, weil er seine Würde aufgegeben habe.
Auch wenn das Repräsentantenhaus nicht legitimiert sei,
Nominierungen zu akzeptieren oder zurückzuweisen, so solle es
doch all seinen Einfluß geltend machen: "Wenn der Kongreß und
einige demokratische Senatoren deutlich machen, daß sie sich
dieser Provokation der Nominierung Ashcrofts nicht beugen, dann
können wir sie stoppen. Aber vereinzelte, kleine
Protestaktionen nützen da nichts. Wir müssen in dieser
Angelegenheit unser Kräfte konzentrieren. Wir müssen es Bush
unmöglich machen, diese Nominierung durchzusetzen."
Dazu sei eine Revolution im Kongreß erforderlich. Immerhin habe
der Kongreß die Wahl Bushs zum Präsidenten noch nicht bestätigt,
und man könne die Ashcroft-Nominierung im Verlauf dieses
Prozesses in die Waagschale werfen. Der Kongreß müsse alle seine
legislativen Möglichkeiten ausschöpfen, um zu verhindern, daß
Ashcroft Justizminister werde, bekräftigte LaRouche.
Die Bedeutung dieser Frage dürfe man nicht unterschätzen. Wenn
die neue Regierung nicht eine Politik entsprechend seiner
Konzepte verfolgt, hätten die USA keine legitime Regierung,
sondern eine Art Übergangsregime, das nicht in der Lage sei,
vernünftige Gesetze zu verabschieden, sondern nur
Krisenmanagement betreiben könnte. "Eine frustrierte Regierung
Bush, die um jeden Preis innenpolitische Opposition vermeiden
will, wird Krisenmanagement betreiben", sagte LaRouche weiter.
"Die Strategen aus den Reihen der Sondereinheiten, der Geheimen
Nebenregierung, werden Provokationen lancieren, die dann benutzt
werden, um Sondervollmachten im Namen des Krisenmanagements
durchzusetzen. Es wird in verschiedenen Teilen der Welt kleinere
Kriege geben, auf die die Regierung Bush mit Krisenmanagement
reagieren wird." Daher müsse man jetzt eingreifen und auf jeden
Fall die Fehler vieler Deutscher von damals vermeiden, die der
Ansicht waren, bei den nächsten Wahlen würden sie Hitler
besiegen - "aber dann kamen die Notverordnungen und es gab
keine Wahlen mehr."