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Finanzsystem am Abgrund: Draghis Vermächtnis

Der scheidende EZB-Vorsitzende Mario Draghi wurde auf seiner letzten Pressekonferenz am 26.10. gefeiert.  Draghi hat vielleicht „den Euro gerettet“, aber nur vorübergehend und auf Kosten einer totalen Zerstörung der Wirtschaft. Das jahrelange Liquiditätspumpen („quantiative Lockerung“) hat die Zinsen zunehmend in den negativen Bereich getrieben, so daß es heute in der Eurozone keine Staatsanleihen mehr gibt, in die es sich noch zu investieren lohnt.

Der IWF schätzt, daß sich das weltweite Volumen der Anleihen mit negativen Zinssätzen auf 15 Bio.$ beläuft. Sogar Griechenland gibt jetzt Anleihen mit Negativzinsen aus. Dies ruiniert die Ersparnisse, weil Rentenfonds, Versicherungen und Sparer gezwungen sind, ihr Geld in riskante Papiere zu investieren, um eine minimale Rendite zu erzielen.

Doch gerade als Draghi zum letztenmal seine Litanei „der Euro ist unumkehrbar“ herunterbetete, zeigten sich Risse im globalen Finanzsystem - und Eurosystem -, das sich auf die nicht zuletzt durch Draghis eigene Politik angehäuften hochriskanten Finanzwerte stützt.

Die Rettungsaktion für das Unternehmen WeWork am 24.10. hat die Pandorabüchse der „Start-up“-Blase geöffnet, es droht ein Ausverkauf auf allen Märkten. WeWork wurde als Vermittlung für Büroflächen gegründet, als Firmen, die den Finanzkrach 2008 überstanden hatten, billige Büros suchten. Anfang des Jahres hatte das Unternehmen einen nominellen Wert von 47 Mrd.$, als es den Börsengang beschloß. Doch bald stellte sich heraus, daß WeWork mehr verlor als einnahm, und der Wert stürzte ab. Schließlich wurde es von seinem Hauptinvestor, der japanischen Softbank, für 9,5 Mrd.$ gekauft. Das ist ein Wertverlust von 38 Milliarden in weniger als drei Monaten!

Jetzt fürchten Anleger, daß unter den Start-ups noch viele ähnliche Problemfälle sind, und dies hat die Börsengänge für die nächste Zukunft allgemein ausgebremst. Wenn sich Panik ausbreitet, könnte Kapital aus den allgemeinen Anleihemärkten abfließen, wo der Markt für Unternehmensanleihen am Rande des Zusammenbruchs steht.

Die Zentralbanken glauben, sie können den kommenden Tsunami beherrschen, indem sie unbegrenzt Geld drucken, und die Federal Reserve pumpt bereits jeden Tag Zigmilliarden Dollar in den Übernacht-Geldmarkt. Doch die Liquiditätskrise verschärft sich, und am 25.10. erweiterte die Fed ihr Sicherheitsnetz von 75 auf 120 Mrd.$ täglich.

Die globale „Alles-Blase“, die Mario Draghi und seine Kollegen mit der Negativzinspolitik geschaffen haben, platzt nun, und sie können nichts dagegen tun. Die einzige Lösung besteht darin, durch eine Glass-Steagall-Bankenreform die Finanzblase vom Kreditgeschäft des Bankensystems zu trennen - Punkt 1 von LaRouches "Vier Gesetzen".