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Wird der Gibraltar-Tunnel mit chinesischer Hilfe gebaut?

Chinas Staatspräsident Xi Jinping trifft heute zu einem dreitägigen Besuch in Madrid ein und auf der Tagesordnung stehen mehrere wichtige Ausbauprojekte für die Infrastruktur. Da sich die China-Lobby Spaniens (“Catedra China”) jetzt verstärkt dafür einsetzt, daß endlich das seit Jahrzehnten diskutierte Riesenprojekt eines Tunnels unter der Meerenge von Gibraltar nationale Priorität erhält, ist diese Direktverbindung zwischen Südwest-Europa und Nordwest-Afrika zum Thema geworden. Catedra China denkt sogar an eine finanzielle Beteiligung chinesischer Investoren – das würde gut mit dem gewachsenen chinesischen Interesse an Investitionen sowohl in Spanien wie in Marokko korrespondieren. 

Es gibt sogar einen deutschen Anteil an dem Projekt: die Firma Herrenknecht hat bereits am 25. September 2017 ein Abkommen für eine Machbarkeitsstudie unterzeichnet, mit der ein Entwurf für eine Tunnelbohrmaschine, die den besonderen geologischen Gegebenheiten in der Gibraltar-Meerenge angepaßt ist, gemacht werden soll. Ein geologisches Gutachten hierzu ist bereits von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich erstellt worden. Auch sprach sich die Spanische Gesellschaft  für Studien einer Festen Querung durch die Straße von Gibraltar (SECEGSA) Mitte  Juni 2018 auf einer Konferenz in Gibraltar eindeutig für das Projekt aus. 

Eine Tunnelbohrmaschine, von denen Herrenknecht vier erfolgreich beim Bau des neuen Gotthardtunnels einsetzte, würde etwa 32 Millionen Euro kosten, die Gesamtkosten des Projekts werden auf 8 Milliarden Euro angesetzt.  Die SECEGSA denkt an einen Tunnel von 38 Kilometer Länge, von denen 27 Kilometer unter dem Meer verlaufen bei einer maximalen Tiefe von 475 Meter. Der Unterwasserbereich besteht auf einer Länge von vier Kilometern aus Ton, was besondere Herausforderungen für die Tunnelbohrer stellt, aber machbar ist. Herrenknecht ist weltweit mit Projekten tätig und hat schon so manche schwierige geologische Schichten gemeistert.

Der Gibraltar-Tunnel würde den erstmaligen Direktverkehr von Hochgeschwindigkeitszügen zwischen den Hauptstädten Spaniens und Marokkos—Madrid und Marrakesch—ermöglichen, aber  über den Betrieb von Güterverkehren per Zug auch die Entwicklung großer Gewerbegebiete an den Ein- und Ausfahrten des Tunnels befördern. Das ist die Perspektive, die der frühere spanische Botschafter in Beijing Juan Lena vor Augen hat. Anläßlich des Besuchs von Xi Jinping sprach er vor ein paar Tagen in einem Interview mit der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua von künftiger Zusammenarbeit spanischer und chinesischer Unternehmen “auf Drittmärkten wie Nordafrika.”