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Lateinamerika setzt auf Kernenergie: Nur ehrgeizige Projekte bringen den Fortschritt!

Vertreter verschiedener Nationen Lateinamerikas nutzten den VII. Internationalen Kongreß Öl und Gas am 20. und 21. August in Santa Cruz/Bolivien, als Gelegenheit, über die notwendige darüberhinausgehende Zukunftsperspektive zu diskutieren: die Kernkraft. Die Beiträge der Redner zeigten das gewandelte Selbstverständnis der Staaten Lateinamerikas und der BRICS-Staaten, die nicht mehr gewillt sind, sich dem Diktat der internationalen Banken und deren grün-imperialer technologischen Apartheid zu beugen.

Boliviens Vizepräsident Alvaro Garcia Linera erklärte am 21. August in einer mitreißenden Rede zum Abschluß des Kongresses, daß sich sein Land den Herausforderungen der Nuklearphysik stellen werde, um ein Fundament für die technischen Entwicklungen der nächsten Jahrhunderte zu legen. Er kündigte an: „ In den kommenden Jahren werden wir ein Programm für die friedliche Nutzung der Kernenergie, verbunden mit medizinischen und landwirtschaftlichen Zielen, einführen. Wie auch immer es aussehen wird, wir werden eine Elite, einen Kern von Denkern haben, die weltweit mit den entsprechenden Fachleuten verbunden sein werden. Das wird Bolivien ermöglichen, daß Feuer des 21. Jahrhunderts, die Kernenergie, zu entdecken und zu nutzen.“

Leonardo Sobehart, Leiter der Abteilung Neuaufträge für Nuklearprojekte des argentinischen Hochtechnologiekonzerns INVAP, wies im Vorfeld der Konferenz in einem Interview mit dem bolivianischen Magazin [i]Reporte Energie[/i] darauf hin, daß der wirtschaftliche Nutzen der Kernkraft die Grundlage für die wahre Unabhängigkeit eines Landes legt. „Die größte Herausforderung ist es, die Menschen näher an die Wissenschaft heranzuführen. Das zu schaffen, ist die Aufgabe der politischen Führung“, sagte Sobehart, und führte Präsident Kennedy, der das Ziel vorgab, einen Mann sicher auf den Mond und wieder zurück zu bringen, als Beispiel dafür an, wie eine solche Mission die gesamte Gesellschaft mobilisieren kann.

Staatsmänner müßten das Projekt finden, für das sie ihre Nation mobilisieren können. „Das Entwickeln von Technologie ist ein langer und schwieriger Weg, und man braucht Entschlossenheit und Ausdauer, denn man steht ständig vor neuen Herausforderungen. Das ist nur zu erreichen durch eine unmißverständliche Entschlossenheit der politischen Führung eines Landes, die weiß, daß sie nur einen Teil des Prozesses erleben wird, den sie in Gang setzt. Aber es ist sicher, daß die Nation am Ende die Früchte ernten wird. Die schwierigste Aufgabe ist es, die verschiedenen Probleme zu wählen, die zu lösen sind. Wenn die Herausforderung nicht ehrgeizig genug ist, dann wird sie keine wirklichen Fortschritte in den Fähigkeiten bringen.“

Sobehart betonte, die Nuklearenergie und die Wissenschaft seien ein Instrument der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Man sollte „Wissenschaft und Technologie nicht als Instrument der Kolonisierung mißverstehen, sondern ganz im Gegenteil, als Instrumente der Unabhängigkeit“.

Auf die Frage, was Argentinien aus dem Prozeß der Entwicklung der Kernkraft gelernt habe, antwortete Sobehart: „Die Kernkraft hat in Argentinien nicht nur dazu beigetragen, den grundlegenden Bedarf der Bevölkerung im Bereich von Energie, Gesundheitsdiensten, Industrie, Landwirtschaft, Bergbau und Sicherheit zu decken, sie schafft auch Synergieeffekte bei der Entwicklung der erzieherischen, wissenschaftlichen, technologischen und industriellen Infrastruktur. Nach mehr als sechs Jahrzehnten ständiger Bemühungen sind die nuklearen Aktivitäten zu einer der tragenden Säulen der Fähigkeit des Landes geworden, hochwertige Güter und Dienstleistungen zu exportieren, die auch andere Wissensbereiche, wie z.B. die Luft- und Raumfahrt unterstützt und ihnen als Vorbild gedient hat.

Argentinien hat ausreichende Kapazitäten, um sämtliche Einrichtungen des nuklearen Brennstoffkreislaufs zu entwerfen, zu bauen und zu betreiben... Unsere vielleicht größte Herausforderung heute ist, den Bau des von uns selbst entwickelten Kernkraftwerks fertigzustellen und dies endlich in unser Produktangebot aufzunehmen. Das ist eine Herausforderung, die wir uns vor 20 Jahren gestellt haben, aber heute stehen wir kurz davor, sie zu erreichen.“

Genau diesen Geist brauchen wir jetzt in Deutschland!