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Nuklearkriegsgefahr: Klare Worte aus China und Russland

Moskau und Peking stocken ihre strategischen Atomstreitkräfte auf und vertiefen ihre Zusammenarbeit, da sie offenbar mit dem Kollaps des transatlantischen Finanzsystems die Gefahr sehen, daß sich die Dynamik hin zu einem thermonuklearen Konflikt mit den USA und dem westlichen Verteidigungsbündnis verschärft.

Chinas Regierung wies Ende Oktober in verschiedenen Artikeln in chinesischen Medien zum erstenmal öffentlich auf bestimmte entscheidende Aspekte ihrer strategischen U-Boot-Flotte hin. So zitierte People’s Daily am 31.10. den Militärexperten Yin Zhuo, die strategischen Raketenstreitkräfte seien Bestandteile einer „Gegenangriffsstrategie“. Sie würden nur eingesetzt, wenn „unsere Gegner Kernwaffen einsetzen, um uns anzugreifen“. China verfügt wie Rußland und die USA über eine nukleare Triade. Die U-Boote gelten jedoch als ihr wichtigstes Element, weil sie eine Chance von 85-90% haben, einen gegnerischen Angriff zu überstehen, während es bei den Bombern und Raketen höchstens 50% und im schlechtesten Fall nur 5% sind.

Die Chinesen ließen auch keinen Zweifel daran, wen sie abschrecken wollen, wie ein Artikel vom 26.10. in der KP-nahen Global Times belegt. Dort heißt es, ein chinesischer Angriff auf die USA mit Kernwaffen würde hauptsächlich auf Bevölkerungszentren zielen. Von U-Booten im Pazifik abgefeuerte Raketen träfen Städte an der US-Westküste, über den Nordpol fliegende Interkontinentalraketen (ICBM) des Typs DR-31 die Großstädte an der Ostküste.

In Rußland hat Präsident Putin Ende Oktober eine Ad-hoc-Übung der strategischen Raketen- und U-Boot-Streitkräfte in Verbindung mit einem Luft- und Raketenabwehrmanöver am Testgelände Kapustin Jar angeordnet. Im Rahmen der Übung, die Putin persönlich überwachte, wurden zwei ICBMs und zwei U-Boot-gestützte Raketen sowie etwa 15 S-300- und S-400-Luftabwehrraketen abgefeuert. In diesem Jahr hat Putin mindestens vier solcher vorher nicht angekündigter Manöver durchführen lassen und er sowie Verteidigungsminister Schoigu haben angedeutet, daß es weitere geben wird, um die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte zu testen.

Zeitgleich zu den Manövern der strategischen Streitkräfte wurden zwei russische atomwaffenfähige TU-160 Bomber nach Südamerika beordert. Sie erreichten nach einem 13-stündigen Flug von ihrer Basisstation in der Wolgaregion am 28. Oktober Venezuela, und landeten am 30. Oktober in Nicaragua. „Die Besatzungen ruhen sich derzeit aus und bereiten sich auf neue Missionen vor. Es ist vorgesehen, dass sie einige Patrouillenflüge in der Region ausführen werden,“ berichtete der Einsatzleiter der Russischen Langstreckenluftwaffe, Generalleutnant Anatoli Zhikharev bei einem Treffen im Verteidigungsministerium am 31. Oktober.

Am 31.10. hatte sich der russische Präsident Putin mit dem Vizechef der Zentralen Militärkommission Chinas, Xu Qiliang, getroffen. Laut dem Bericht von Xinhua sagte Putin, die militärische Zusammenarbeit spiele in der strategischen Partnerschaft eine entscheidende Rolle. Er hoffe, daß die beiden Verteidigungsministerien künftig ihre Koordination verbessern können. Xu bekräftigte, China sei gewillt, im militärischen Bereich Austausch und Kooperation mit Rußland auszuweiten.