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Kann Putin Erdogan aus der sunnitischen Allianz herausziehen?

Nach monatelangem arroganten Sträuben erfüllt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nun doch Rußlands Forderung nach einer Entschuldigung für den Abschuß eines russischen Bombers im vergangenen November, der an der syrischen Grenze nur 17 Sekunden lang über türkisches Gebiet geflogen war. Dies könnte bedeuten, daß die Türkei aus der verheerenden sunnitischen Allianz herausgebrochen und in den vom russischen Präsidenten Putin geschaffenen „Überlebensclub“ hineingezogen werden könnte.

Moskau hatte als Reaktion auf den Flugzeugabschuß harte Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei verhängt, u.a. ein weitgehendes Verbot von Agrarimporten sowie Charterflügen in die Türkei. Dies verursachte einen Milliardenschaden für die türkische Landwirtschaft und einen Rückgang der Zahl russischer Touristen - vorher 4 Mio. im Jahr - um über 90%. Zudem verloren türkische Bau- und Ingenieursfirmen einen ihrer wichtigsten Auslandsmärkte.

Noch wichtiger ist aber, daß Erdogans absurde Strategie, Dschihad-Terrorgruppen wie ISIS/Daesh zu unterstützen, offensichtlich gescheitert ist. Nicht nur wurde das Ziel verfehlt, Präsident Assad in Syrien zu stürzen, nachdem Rußland die syrische Armee mit seiner Luftwaffe unterstützte, es führte auch zu einem unhaltbaren Rückschlag in der Türkei selbst wegen der zahlreichen Terroranschläge ISIS-naher Gruppen, während gleichzeitig die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ihren Aufstand erneuerte und Gruppen aus ihrem Umfeld Anschläge in beispiellosem Umfang verübten. Allein in diesem Jahr forderten Terroranschläge von Daesh- und PKK-Kreisen in der Türkei schon mehr als 250 Todesopfer.

Das jüngste Blutbad am internationalen Flughafen von Istanbul, das von namentlich bekannten Terroristen verübt wurde, unterstreicht nur, wie verrückt es ist, die Zusammenarbeit mit Rußland im Kampf gegen den Terror zu verweigern und im [url:"node/8668"]Westen solche antirussischen Terroristen sogar noch bewußt zu schützen[/url].

Am 1. Juli traf sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavsoglu mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow am Rande eines Treffens der Außenminister des Schwarzmeer-Kooperationsrats in Sotschi, und beide sprachen über die Normalisierung der Beziehungen und Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus.

Anfang dieser Woche erklärte Cavusoglu gegenüber der türkischen Abteilung des Fernsehsenders [i]NTV[/i], daß sich die beiden Präsidenten, Erdogan und Putin, möglicherweise bereits Ende Juli oder Anfang August persönlich treffen könnten. Außerdem habe er seinen russischen Amtskollegen Lawrow zu weiteren Gesprächen nach Antalya eingeladen, um wichtige Gipfeltreffen, wie das [i]Turkey-Russia High-Level Strategic Cooperation Meeting[/i] vorzubereiten.

Und von russischer Seite sprach der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Alexej Uljukajew, gegenüber [i]Gazeta.ru[/i] von der baldigen Wiederherstellung der Handels- und Investitionsbeziehungen zur Türkei. Der Minister zeigte sich auch überzeugt, daß sich das Verhältnis der EU zu Rußland noch im Laufe dieses Jahres verbessern würde: „Die europäischen Sanktionen sind der entscheidende Punkt. Ich glaube, es besteht im hohen Grade die Möglichkeit, daß am Ende des Jahres eine Entscheidung für deren erhebliche Veränderung gefällt wird.“