Beim ersten Besuch eines russischen oder sowjetischen Staatsoberhauptes in Iran seit 1943 traf Wladimir Putin gestern Ajatollah Chamenei, das geistliche Oberhaupt der Islamischen Republik Iran, zu bilateralen Gesprächen hinter verschossenen Türen. Präsident Mahmoud Ahmadinedschad und der russische Außenminister Sergej Lawrow nahmen ebenfalls teil. Putin traf sich außerdem noch gesondert mit Ahmadinedschad, den er zu einem Gegenbesuch nach Rußland einlud.
Die Präsidenten Rußlands und Irans veröffentlichten eine 23-punktige Erklärung, die deutlich machte, daß über das iranische Atomprogramm diskutiert wurde, das derzeit als Vorwand für eskalierende Drohungen durch US-Vizepräsident Cheney und seine Konföderierten dient. Putin und Ahmadinedschad verwiesen auf die "Notwendigkeit einer schnellen Entspannung der Situation um das iranische Atomprogramm durch politische und diplomatische Mittel im Rahmen von Verhandlungen und Dialog, und drückten die Hoffnung aus, daß eine langfristige und umfassende Lösung gefunden werden könne."
Bei einer Pressekonferenz nach dem kaspischen Gipfel und vor den bilateralen Gesprächen mit den Iranern betonte Putin, daß "Rußland das einzige Land ist, das Iran dabei hilft, seine friedlichen Atomprogramme umzusetzen." Er brachte zum Ausdruck, daß diese Politik weiter bestehen soll, während er bestritt, daß die jüngsten Verzögerungen beim Bau des Kernreaktors in Bushehr andere als technische Gründe haben. In der gemeinsamen Erklärung bestätigten Putin und Ahmadinedschad, Bushehr werde "zum vereinbarten Termin fertiggestellt" und der Atomwaffensperrvertrag anerkannt.
Putin selbst wie auch die Erklärung unterstrichen die potentielle russisch-iranische Zusammenarbeit in der Weltraumforschung, Luftfahrtindustrie, bei Erdgas, Wasserkraft, dem Bank- und Transportwesen, inklusive der Aufwertung des internationalen Nord-Süd-Transportkorridors.
Die gemeinsame Erklärung beinhaltet auch Punkte zur regionalen Zusammenarbeit im Rahmen der Schanghaier Organization für Zusammenarbeit (SCO), der Rußland als Mitglied und Iran als Beobachter angehören. Ebenfalls auf der Agenda sind die Sicherheit des Kaspischen Meeres, Umweltfragen und eine Reihe von internationalen Themen, auch Terrorismus und Krisenherde. Putin und Ahmadinedschad äußerten auch ihre Besorgnis über die Verschlechterung der Lage in Afghanistan und die humanitäre Krise in den palästinensischen Gebieten. Sie seien auch besorgt über die Drohungen gegenüber dem Libanon, und die Lage im Irak und am gesamten Persischen Golf. Zum Irak sagten sie: "Die russische Föderation und die Islamische Republik Iran haben aktiv dafür plädiert, die Einheit, territoriale Integrität und Souveränität Iraks zu bewahren, sowie die ausländische Militärpräsenz in diesem Land auf Basis eines Zeitplans zu beenden." Beide hoffen, daß es bald zu einem Ende der Auseinandersetzungem im Irak kommen wird.
Zu der von [i]Interfax [/i]verbreiteten Nachricht, daß Putin seine Reise nach Iran wegen eines Hinweises auf ein mögliches Attentat auf ihn absagen würde, gab es bisher keine neuen offiziellen Äußerungen seitens des Kreml.
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