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Skripal-Affäre wird zum Eigentor für Theresa May: Präsident Trump setzt weiter auf Diplomatie

von Harley Schlanger

Wenn die Absicht hinter den absurden Vorwürfen der britischen Premierministerin Theresa May und ihres Außenministers Boris Johnson gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewesen war, einen Keil zwischen US-Präsident Donald Trump und Putin zu treiben, dann sind sie damit gescheitert. May hatte nicht nur behauptet, Putins Geheimagenten hätten den früheren russischen Spion und britischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter vergiftet, sondern auch gleich verlangt, daß die Regierungen verbündeter Nationen diese Vorwürfe ungeprüft übernehmen und gemeinsam mit Großbritannien scharfe Strafmaßnahmen gegen Rußland verhängen. Zwar schlossen sich die USA, 14 EU-Nationen und sechs weitere Regierungen Großbritannien an und wiesen insgesamt mehr als 130 russische Diplomaten aus, dennoch ging der Plan nicht so auf, wie es sich die Regierung May gewünscht hatte. Viele Regierungen – sogar einige von denen, die Strafmaßnahmen gegen Rußland verhängten – äußerten Zweifel, weil keine Beweise für die Behauptungen vorgelegt wurden, und Trump weigerte sich hartnäckig, Putin für den Anschlag verantwortlich zu machen, obwohl auch das US-Außenministerium russische Diplomaten auswies.

Als dann später auch noch angekündigt wurde, daß die USA Rußland – und umgekehrt Rußland den USA – erlauben werden, die ausgewiesenen Diplomaten durch andere zu ersetzen, und die ganze Aktion damit bloß noch symbolischen Charakter hatte, verstärkte dies den Eindruck der Briten, daß Trump sie im Stich läßt.

Die weitverbreiteten Zweifel an den Behauptungen Mays und Johnsons erwiesen sich als prophetisch, als der Wissenschaftler Gary Aitkenhead vom britischen Chemiewaffen-Forschungszentrum Porton Down am 3. April bekannt gab, sein Untersuchungsteam könne nicht nachweisen, woher die gegen die Skripals eingesetzten Giftstoffe kamen, und könne insbesondere nicht beweisen, daß sie aus Rußland kämen. Selbst die Londoner Times mußte zugeben, Aitkenheads Bericht könne „die internationale Koalition gegen Moskau untergraben“.

Der Londoner Guardian, der unter den internationalen Medien zu den aggressiven Wortführern der Angriffe auf Moskau gehört (und maßgeblich das Russiagate-Märchen über angebliche Kungeleien zwischen Putin und Trump zur Manipulation der US-Präsidentschaftswahl verbreitete), beschwerte sich, durch diesen Bericht werde die britische Regierung „in die Defensive gedrängt“. Der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn warf Johnson praktisch sogar vor, gelogen zu haben. Corbyn sagte, Johnson „steht dumm da“ und müsse sich nun einige sehr kritische Fragen gefallen lassen, weil er gegenüber dem deutschen Fernsehen – wie überhaupt jedem, der es hören wollte – erklärt hatte, Porton Down habe ihm klipp und klar versichert, das gegen die Skripals eingesetzte Nervengas Nowitschok sei aus Rußland gekommen. Johnson sei offenbar „weit über die Informationen hinausgeschossen, die er erhalten hatte“, und habe der Welt „in kategorischen Worten erklärt, was seiner Meinung nach geschehen ist, doch die Belege, die er angeblich von Porton Down erhalten hat, stützen das nicht“.

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