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Ist das West-Nil-Virus in eine virulentere Form mutiert?

Die Bedeutung einer medizinischen Forschungsoffensive sowie der Notwendigkeit massiver Investitionen in Infrastruktur und Gesundheitssysteme wird angesichts der jahrzehntelangen Ausplünderung der Realwirtschaft zugunsten des Finanzsystems immer dringlicher.

Zwei amerikanische Neurologen, Fachleute für das West-Nil-Virus, sind der Auffassung, daß der Erreger in eine tödlichere Form mutiert ist und jetzt das Gehirn aggressiver als bisher angreift. Das West-Nil-Virus löst das West-Nil-Fieber aus, das vor allem in tropischen Gebieten, aber seit einiger Zeit auch vermehrt in den USA auftritt. Es kann zu Hirnhautentzündungen und Lähmungen führen. Dr. Art Leis aus Jackson (Mississippi), der unter allen Ärzten in den USA wohl die meiste Erfahrung bei der Behandlung des West-Nil-Virus hat, hat festgestellt, daß das Virus seit kurzem auch das Sprach- und Denk-Zentrum des Gehirns schädigt, was in dieser Form bisher noch nie bei jungen, bisher gesunden Patienten beobachtet wurde.

Eine andere Neurologin, Dr. Elizabeth Angus aus Detroit, die seit Jahrzehnten West-Nil- Patienten behandelt, hat ebenfalls Hirnschädigungen nicht nur bei älteren, gebrechlichen Patienten, sondern jetzt auch bei jungen, vorher gesunden Patienten festgestellt, was eine neue Entwicklung ist. Die Beobachtungen beider Ärzte werden von einem Virologen aus Texas gestützt, in dessen Labor Anzeichen von genetischen Veränderungen in West-Nil-Viren gefunden wurden, die im Bereich von Houston isoliert wurden. Ein Wissenschaftler von den U.S. Centers for Disease Control erklärte, daß ihm keine Hinweise vorlägen, daß das West-Nil-Virus andere Hirnschädigungen als bisher hervorrufe, und verwies auf die Tatsache, daß es schwerere Verlaufsformen geben könnte, weil in diesem Jahr mehr Fälle aufgetreten seien. Allerdings räumte der CDC-Sprecher ein, daß sein Amt nicht die „Feininformationen“ sammele, die benötigt werden, um schnell festzustellen, ob das Virus schwerere Hirnschäden anrichte.

Bisher ist das West-Nil-Virus gewöhnlich nur bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem in Hirn und Rückenmark eingedrungen. In diesem Jahr hatten jedoch elf von zwölf Patienten, die Dr. Leis am Methodist Rehabilitation Center in Jackson behandelte, schwerere Hirnschädigungen, als er früher gesehen hat. Leis, der 15 wissenschaftliche Abhandlungen über das Virus veröffentlicht hat, sagte: „Zum ersten Mal haben wir jetzt röntgenologische und klinische Belege dafür, daß das Virus höhere kortikale Bereiche angreift.“

Im letzen Monat hatte Leis einen Genetik-Fachmann der Food and Drug Administration (FDA) gefragt, ob ein neuer, virulenterer Stamm des West-Nil-Virus zirkuliere. „Sie haben vollkommen recht,... daß in diesem Jahr neue genetische Varianten des Virus aufgetreten sind“, antwortete der Wissenschaftler in einer Email, welche der Washington Post vorliegt. Nur 30 Minuten später wurde Leis mitgeteilt, daß die vorangegangene Nachricht zurückgenommen wurde. In einem späteren Telefongespräch wollte der FDA- Wissenschaftler nicht weiter über seine Mitteilung sprechen und sagte, seine Vorgesetzten hätten ihn angewiesen, nicht mit der Presse darüber zu sprechen.