06131-237384info@bueso.de

Wirtschaftsminister Tremonti in München: "Spekulanten aus dem Tempel vertreiben!"

Der italienische Wirtschaftsminister Tremonti warnte bei einer Rede in München am 13. September anläßlich des Treffens der interreligiösen San Egidio Gemeinschaft, die "Gefahr eines finsteren Zeitalters" sei "real". Das sei die Konsequenz dessen, daß man die "negativsten Teile der Banken" gerettet habe, statt diese zu Anfang der Krise zu restrukturieren. "Die Masse an Derivaten ist so groß wie vor der Krise". "Heutzutage sind es die Banken, die die Geldausgabe vornehmen, und nicht länger die Staaten". Tremonti sagte, man habe die Banken damit beauftragt, Regeln aufzustellen, aber die erste Regel sollte lauten, "Spekulanten aus dem Tempel zu vertreiben". Bei dem Treffen war auch Finanzminister Schäuble anwesend.

In Italien ist derweil eine Debatte in den nationalen Medien ausgebrochen, ob Italien zur "Island-Lösung" greifen sollte - in Gang gebracht durch die Ökonomin Prof. Loretta Napoleoni. Frau Napoleoni befürchtet, daß Italien nur sechs Monate vom Bankrott entfernt ist und ruft deshalb zu den folgenden Schritten auf: 1. Ausstieg aus der Europäischen Währungsunion. 2. Das nationale Einlagensystem durch eine Reichensteuer zu schützen; 3. die ausländischen Staatsschulden mit anderen EU-Partnern neu zu verhandeln. Die Ökonomieprofessorin hat gerade ihr neues Buch "Ansteckung" veröffentlicht und dazu verschiedenen Medien gegenüber Interviews gegeben. In ihrem früheren Buch "Schurkenwirtschaft" zitierte sie Lyndon LaRouche.

Sie spreche über eine "freiwillige, kontrollierte Zahlungsaussetzung und über die Schaffung einer Reihe von Regeln, die es einigen Ländern erlauben, vorübergehend den Euro zu verlassen, um sich wirtschaftlich zu erholen." Der Ausstieg aus dem Euro würde es erlauben, "zur Lira zurückzukehren, was nach einer sofortigen Abwertung die Exporte und Konkurrenzfähigkeit stärken würde." Die Situation sei komplex, aber nicht so komplex, daß man sie nicht meistern könnte. "Alle europäischen Politiker regieren, als ob die Demokratie ihre eigene Firma wäre. Sie vergessen die Stimme des Volkes. Wir stehen unseren afrikanischen Brüdern sehr nahe, so wie ich in meinem Buch geschrieben habe. Sie revoltierten gegen eine diktatorische Missregierung, aber wir stehen Oligarchien gegenüber und deshalb werden wir alle, Schritt für Schritt, zu 'Empörten'. Das ist unausweichlich."