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In einem Interview mit Ezra Klein von der Washington Post am 19. Mai gab der Milliardär Bill Gates, einer der wichtigsten Geldgeber für die medizinische Forschung weltweit, eine vielsagende Antwort auf die Frage „Wie treffen Sie die Entscheidung, was es wert ist, zu bezahlen?“
Die US-Behörde für Seuchenbekämpfung und Prävention (CDC) hat am 5. März gewarnt, daß sich in den USA ein als CRE bezeichneter, gegen Antibiotika resistenter Bakterienstamm ausbreitet, der bereits in 42 US-Bundesstaaten in Krankenhäusern und Pflegeheimen aufgetreten ist.
Die Behörde und andere Fachleute warnen, daß selbst gewöhnliche Infektionen - etwa der Harnwege, Lungenentzündungen oder Durchfallerkrankungen tödlich werden könnten, wenn CRE nicht bald eingedämmt werde, weil CRE seine gegen Antibiotika resistenten Gene mit gewöhnlichen Bakterien wie etwa E. coli austauschen kann.
Die Bedeutung einer medizinischen Forschungsoffensive sowie der Notwendigkeit massiver Investitionen in Infrastruktur und Gesundheitssysteme wird angesichts der jahrzehntelangen Ausplünderung der Realwirtschaft zugunsten des Finanzsystems immer dringlicher.
Portugals größter Gewerkschaftsdachverband CGTP-IN, der für den 14. November zu einem Generalstreik gegen das mörderische Sparprogramm der Regierung aufgerufen hat, weist die Forderung, die portugiesische Regierung solle die medizinische Versorgung bei Krankheiten, die als „zu teuer“ betrachtet werden, einschränken, mit einer vernichtenden Kritik zurück. Eine „Kosten-Nutzen-Analyse des menschlichen Lebens, die den Menschen selbst mißachtet“, sei inakzeptabel und müsse als Angriff auf das unveräußerliche Recht auf Leben selbst betrachtet werden, erklärt die Gewerkschaft.
Die Gewerkschaft der griechischen Krankenhausärzte hielt heute in Athen eine Pressekonferenz ab, in der es darum ging, dass das griechische Krankenhaussystem wegen der massiven Spareinschnitte bereits kollabiert ist. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Dimitris Varnavas beschrieb die Lage mit den Worten: "Das Nationale Gesundheitssystem ist offiziell und in verheerender Weise zusammengebrochen." In den meisten Krankenhäusern gebe es noch nicht einmal mehr einen Vorstand, der über das Budget und notwendige Einkäufe entscheiden kann.
Austeritätspolitik bringt Menschen um. Das ist die Schlußfolgerung eines neuen Buches, das diese Woche unter dem Titel "The Bodoy Economic: Why Austerity Kills" erscheinen wird. Verfasser sind der Soziologiedozent David Stuckler von der Universität Oxford und der Epidemiologe Sanjay Basu, der eine Assistenzprofessur an der Stanford Universität innehat. Die Autoren vergleichen in ihrer Studie die Situation in Europa und Nordamerika mit der Großen Depression der 1930er Jahre.
Die Ärztekammern von Portugal, Griechenland, Spanien und Irland veröffentlichten Mitte Januar einen „Offenen Brief an die politische Führung und Gesundheitsbehörden Europas“. Darin beklagen sie die verheerenden Auswirkungen der von der „Troika“ aus EU, EZB und IWF erzwungenen Austerität für Leben und Gesundheit der Menschen in ihren Ländern. Sie fordern, bei der Gestaltung der Finanzpolitik die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung und das öffentliche Gesundheitswesen angemessen zu berücksichtigen.
Dieselben drastischen Kürzungen im Gesundheitswesen, wie sie die Troika in Griechenland durchsetzt, zerstören jetzt auch die medizinische Versorgung in Portugal und Spanien. Am 20. Oktober organisierte die Nationale Vereinigung der Apotheker (ANF) eine Protestdemonstration in der Hauptstadt Lissabon, an der 6000 Menschen teilnahmen. Die Organisatoren beschuldigten die Regierung, durch die Verzögerungen bei der Bezahlung von Medikamenten im öffentlichen Gesundheitssystem drohe den Apotheken "kollektive Euthanasie".
Der Nationale Ethikrat für Lebenswissenschaften (CNECV) in Portugal hat grünes Licht für die Rationierung von Medikamenten im öffentlichen Gesundheitswesen gegeben. Patienten sollen keine Medikamente mehr erhalten, wenn die Erhaltung ihres Lebens als „zu teuer“ eingeschätzt wird. Das Gesundheitsministerium hatte den Rat um ein Gutachten über die „Ethik“ finanzieller Entscheidungen bei HIV-, Krebs- und Rheumatherapien ersucht und der Rat gab die Antwort, daß das Ministerium wegen der „Weltfinanzkrise“ Behandlungen „nach Kosten-Nutzen-Analyse rationieren kann und sollte“.
Der rasante Verfall des Gesundheitssystems und der Anstieg der Todesrate in der griechischen Bevölkerung wird in einem Artikel der britischen medizinischen Fachzeitschrift The Lancet als Resultat der Finanzkrise dargelegt. Der Titel: "Gesundheitseffekte der Finanzkrise: Vorzeichen einer griechischen Tragödie." Da die Daten teilweise aus der Zeit vor Beginn der großen Sparmaßnahmen stammen, muß man davon ausgehen, daß die Situation mittlerweile noch viel schlimmer ist. Die ausgewerteten Daten stammen aus EU-Statistiken über Einkommen und Lebensstandard.