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Golf von Mexiko: Ist die Nukleare Option letztes Mittel gegen britische Ölverschmutzung?

[i]Die Zeit verrinnt, und das Ölleck im Golf von Mexiko ist immer noch nicht verschlossen. Larry Hecht von der Zeitschrift 21st Century Science and Technology diskutiert die Möglichkeit des Einsatzes nuklearer Sprengsätze zur Schließung des Öllecks. Hier ein Auszug aus dem Artikel, der in [url:"http://www.solidaritaet.com]Neue Solidarität[/url] Nr. 25 vom 23.06.2010 erschien. Zusätzlich veröffentlichen wir im Anschluß ein Interview mit Milo Nordyke, einem Experten für die zivile Nutzung nuklearer Sprengsätze. Wir veröffentlichen diesen Artikel wohlwissend, daß ein Teil unserer Leser allein bei dem Gedanken an eine zivil genutzte Kernexplosion schon in Ohnmacht fallen. Wenn allerdings die Gefahr der Ölverseuchung des Atlantiks bis nach Europa besteht, muß auch diese Möglichkeit mit kühlem Kopf erwogen werden.[/i]

Es wird immer wahrscheinlicher, daß der Rückgriff auf einen nuklearen Sprengsatz zur einzigen noch zur Verfügung stehenden Option wird, um das beschädigte BP-Bohrloch im Golf von Mexiko, 41 Meilen vor der Küste der USA, zu verschließen. Solch eine Maßnahme kann praktisch ohne Gefahr der Freisetzung radioaktiver Strahlung durchgeführt werden. Das versichern Experten, unter ihnen Milo Nordyke, ehemaliger Chef-Wissenschaftler der „Operation Plowshare", einem US-Programm zur friedlichen Verwendung von Kernexplosionen.

Ein Nuklearsprengsatz von 10-15 Kilotonnen würde in einer Entfernung von 6-9 Metern vom Ölbohrkanal in einer Tiefe von mehr als 1800 Metern unterhalb des Meeresbodens angebracht. In dieser Tiefe bestände keine Gefahr einer Wellenbildung im Wasser durch Bewegungen des Meeresbodens. Die Explosion würde eine Schockwelle hervorrufen, die Gesteinsformationen horizontal gegen den Bohrkanal drücken und ihn damit verschließen. Dieser Verschluß läge weit unterhalb möglicher Risse, die in einer darüber liegenden Schicht von ca. 400 Metern Schlamm und weichem Gestein existieren können. Schlimmstenfalls - bei Nichtverschluß des Kanals - würde die minimale Menge radioaktiven Materials, das im Bohrkanal aufsteigen könnte, durch das Meerwasser dermaßen verdünnt, daß es nicht mehr schädlich wäre.

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Interview mit Dr. Milo D. Nordyke, 14.6.2010

[i]Nordyke ist Professor Emeritus des Lawrence Livermore National Laboratory, der führende US-Experte für zivile atomare Sprengsätze und Veteran des diesbezüglichen US-Regierungsprogramms („Operation Plowshare"). Außerdem verfaßte er eine 100 Seiten umfassende Studie über das entsprechende sowjetische Regierungsprogramm. Das Interview führte Alli Perebikovsky von [url:"http://www.larouchepac.com]LPAC-TV[/url].[/i]

[i]LPAC-TV[/i]: Um das Scheinwerferlicht auf British Petroleum und diese Krise zu lenken ... Es ist fast wie ein „langsamer Katrina" [-Hurrikan] und man hat nicht nur die Zerstörung der Umwelt, sondern, wie einige Schätzungen lauten, 100 000 Gallonen ausströmendes Erdöl jeden Tag.

[i]Nordyke[/i]: Es ist auch eine wirtschaftliche Katastrophe: für die Region ist es eine ökologische und eine ökonomische Katastrophe. Es muß irgendwie unter Kontrolle gebracht werden. Mit dem gegenwärtig von ihnen [BP] benutzten Verfahren scheinen sie das Problem teilweise unter Kontrolle zu haben, doch es ist schwierig herauszufinden, wie gut es wirklich funktioniert. Vielleicht sind es 10%, vielleicht 50%, die eingedämmt werden. Aber, selbst wenn es 100% wären, wäre es dennoch nur eine vorübergehende Lösung, denn es bedarf dort etwas, das selbst Hurrikanen und ähnlichen Phänomenen standhält. Von den Entlastungsbohrungen erhofft man sich zunächst einmal eine Lösung. Sie werden in einer Entfernung von 1000 Metern oder mehr angesetzt und in einem schrägen Winkel vorangetrieben, so daß sie in ca. 5000 Metern Tiefe den Ölbohrkanal kreuzen, ihn anzapfen und der Ölfluß in den Entlastungskanal zur Oberfläche umgelenkt wird oder vielleicht der Ölfluß in dem außer Kontrolle geratenen Ölbohrkanal gehemmt wird. Sie können damit Erfolg haben oder auch nicht. Es ist in der Vergangenheit schon getan worden, aber es ist schwierig. Und es brachte die Russen dazu, ihre Experimente und Projekte durchzuführen: Das erste Bohrloch, an dem sie das ausprobierten, war seit drei Jahren außer Kontrolle und aus ihm strömte eine sehr große Menge Gas - Gas, nicht Öl, und nicht vom Meeresboden sondern an der Erdoberfläche. Aber es brannte und man konnte es aus einer Entfernung von 80 Kilometern sehen. Es war unübersehbar, mitten in der Wüste, deshalb gab es keine Umweltkatastrophe, aber es wurde eine sehr große Menge an Energie vergeudet. Das war das Problem. Sie versuchten den Bohrbrunnen zu blockieren ohne die genaue Lage des ursprünglichen Bohrbrunnens zu wissen - ich weiß nicht, warum sie drei Jahre lang nicht imstande waren diese Unterbrechung herbeizuführen. Schließlich kamen sie auf die Idee, eine nukleare Explosion in der Nähe des außer Kontrolle geratenen Bohrlochs durchzuführen. Das dichtete es ab. Das drückte den undichten Bohrbrunnen zu und stellte ihn innerhalb von ca. 30 Sekunden ab. Und sie machten das noch weitere vier Male, dreimal mit Erfolg. Was den vierten Versuch betrifft, haben sie nie bekannt gegeben, warum er nicht erfolgreich war. In keinem dieser Fälle war an der Erdoberfläche Radioaktivität nachweisbar. Wir sprechen hier über Explosionen, die in einer Tiefe von mehr als tausend Metern unter der Erdoberfläche stattfinden oder, im Fall des Golfs [von Mexiko], tausend Meter unter dem Meeresboden. ... Die Ölquelle selbst liegt in einer Tiefe von ca. 6000 Metern, man müßte also auf eine Tiefe von ca. 5000 Metern bohren, das wären ungefähr 3000 Meter unter dem Meeresboden. Es gibt also im wesentlichen keine Bedenken, daß Radioaktivität an der Oberfläche des Meeres freigesetzt werden könnte. Die einzige bestehende Sorge, und darum muß man sich kümmern, besteht in den seismischen Auswirkungen. Wenn es in der näheren Umgebung weitere Bohrlöcher gibt - wovon ich nicht ausgehe - könnten sie dabei beschädigt werden und es könnte zu einer kleinen Welle im Golf kommen. Davon gehe ich aber nicht aus - das ist gewiß etwas, das von vornherein berechnet werden kann, um zu sehen, welches Ausmaß möglich wäre.

[i]LPAC-TV:[/i] Würden wir im Fall von BP das russische Modell benutzen oder verfügen wir über eigene Studien über diese nuklearen Unterwasserexplosionen?

[i]Nordyke:[/i] Von den russischen Experimenten ist nicht viel zu lernen. Sie machten es und es funktionierte. Und es ist ziemlich einfach. Eines der schwierigen Probleme ist der Sprengsatz, der unter diesen Drücken und Temperaturen funktionieren muß. Wir haben Sprengsätze für das Rio Blanco Experiment entwickelt, die an die 500 bar bei 250 Grad aushielten ... Wir haben also Entwürfe dafür, die verwirklicht werden könnten, aber wir brauchten dafür etwas Zeit.

[i]LPAV-TV:[/i] Worum ging es beim Rio Blanco Experiment?

[i]Nordyke:[/i] Rio Blanco war ein Gas-Stimulierungsexperiment, bei dem wir drei Explosionen von 30 Kilotonnen in einer Tiefe von ca. 1600, 1800 und 2100 Metern unter der Erdoberfläche in Colorado auslösten.

[i]LPAC-TV:[/i] Wie bekommen wir den nuklearen Sprengsatz in diese Tiefe?

[i]Nordyke:[/i] Man könnte vielleicht eine der Entlastungsbohrungen benutzen, wenn ihr Durchmesser groß genug ist. Ich glaube, der Durchmesser müßte nicht sehr groß sein. Der Sprengsatz des Rio Blanco Experiments hatte einen Durchmesser von ungefähr 20 Zentimetern, er war also ziemlich schmal. Die meisten dieser Bohrkanäle haben, glaube ich, einen Durchmesser von ca. 30 Zentimetern.

[i]LPAC-TV:[/i] ... Was müßten wir im wesentlichen tun, um das durchzuführen. Wie bald könnten wir damit anfangen?

[i]Nordyke:[/i] Erstens müßte man einen Sprengsatz herstellen, der dafür einsetzbar ist. Möglicherweise könnte man eine schon existierende Artilleriegranate oder ähnliches benutzen, aber ich glaube, es müßte eine hergestellt werden, die den Druck und die Temperatur in einer Tiefe von 5000 Metern aushält. Die möglichen seismischen Effekte auf die Region, in der sich das Bohrloch befindet, müßten, wie gesagt, sorgfältig studiert werden. Und man müßte die Entlastungsbohrungen untersuchen, um zu sehen, ob da etwas möglich ist. Wenn sie nicht groß genug sind, sagen wir nur 8 bis 15 cm, dann müßte ein neuer Kanal gebohrt werden. Das ungefähr sind die Vorbereitungen, derer es bedarf....

[i]LPAV-TV:[/i] Scheinbar muß man dafür BP auf der Stelle weitgehend enteignen und eine Intervention der Regierung machen, um diese Lösung durchzuführen.

[i]Nordyke:[/i] Nun, das wäre ganz gewiß ein von der Regierung kontrolliertes Projekt. ...