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Rußland demonstriert in Syrien militärische Stärke

Rußland werde in Syrien wie einst in Afghanistan scheitern, konnte man zu Beginn der russischen Offensive von NATO-Vertretern genauso vernehmen wie von Sprechern der Terrororganisationen und einigen ihrer Unterstützer in den Regierungen der Golfstaaten. Die Realität zeigt aber etwas Anderes: Rußland setzt auf Sieg und nicht auf permanenten Krieg, wie wir es in den letzten Jahrzehnten von den USA, Großbritannien und der NATO gewohnt waren.

Seit Beginn des Luftkriegs am 30. September flogen russische Kampfflugzeuge bis 11.10. fast 300 Angriffe auf terroristische Ziele in ganz Syrien, besonders im Einzugsbereich der Autobahn von Latakia nach Aleppo, beim Hauptquartier des Islamischen Staats (ISIS) in Rakka in Ostsyrien sowie Orten im Süden des Landes. Westliche Beobachter beeindruckte besonders das Tempo des russischen Aufmarschs. Die ersten Kampfflugzeuge, vier [i]Suchoi Su-30M[/i], kamen am 18. September in der Luftwaffenbasis etwa 50 km südlich von Latakia an. Um den 28. September war die gesamte Flotte von 34 Flugzeugen und 16 - 20 Kampfhubschraubern zusammen. Seither wurde die Zahl der Angriffe von durchschnittlich 20 auf 65 täglich gesteigert, was auf eine umfassende und zuverlässige Logistik bei Wartung, Treibstoff und Munition schließen läßt.

Die eigentliche Überraschung jedoch war der Abschuß von 26 Marschflugkörpern des Typs Kaliber NK von Schiffen im Kaspischen Meer auf 11 Ziele in Syrien. Daniel Fielding von der Webseite [i]Russia Insider[/i] schrieb am 7. Oktober, diese Langstrecken-Raketenangriffe bestätigten zweierlei: „1. daß die Russen wieder einmal eine Fähigkeit gezeigt haben, die bisher nur die Vereinigten Staaten bewiesen hatten, und 2. daß die Koalition, die sie mit Syrien, dem Iran und dem Irak geschaffen haben, eine voll operationelle Realität ist und sich über Raketenangriffe beraten und auf sie einigen kann.“

Kritiker monierten, Rußland hätte dieselben Ziele auch mit Flugzeugen vom Stützpunkt Latakia aus bekämpfen können, aber Fielding setzt dem entgegen: „Die Ergänzung der Angriffe der Luftwaffe durch den Einsatz von Langstrecken-Marschflugkörpern vergrößert die taktische Flexibilität beträchtlich und ermöglicht es, mehr Ziele anzugreifen.“ Die Raketen setze man gegen große und unbewegliche Ziele ein, wodurch die Flugzeuge gegen mobilere Ziele wie LKWs oder Artillerie zur Verfügung stünden. „Unterschall-Marschflugkörper sind außerordentlich schwierig zu beobachten und zu verfolgen - und abzuschießen -, was das Überraschungselement erhöht. Der [i]Islamische Staat[/i] weiß jetzt, daß er überall und jederzeit ohne Vorwarnung angegriffen werden kann.“